Gründen: Jetzt oder Nie

Jeder Lebensabschnitt bringt Vor- und Nachteile mit sich, was die Unternehmensgründung betrifft. Wichtig ist es, nach Abwägung der Chancen und Risiken, den Schritt überhaupt zu wagen.

Wie weiß man, ob man im richtigen Alter ist, die eigene Idee in die Tat umzusetzen? Gibt es überhaupt den idealen Zeitpunkt zum Gründen? Und wie findet man heraus, ob man auch wirklich für die Selbstständigkeit geeignet ist? Clemens Plank, Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Tirol, berät Jungunternehmer bzw. Unternehmensgründer. Er sagt, dass jeder für sich entscheiden muss, ob es der richtige Moment ist, sein eigener Chef zu werden. Grundsätzlich bedarf es aber der richtigen inneren Einstellung: „Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Allgemein gilt aber, dass man im Kopf bereit für die Selbstständigkeit sein sollte.“ 

Früher oder später
In jeder Lebensphase lassen sich Gründe finden, die für und gegen den Schritt ins Unternehmertum sprechen. „Vor allem als junger Mensch hat man wenig zu verlieren und viel zu gewinnen, speziell an Erfahrung“, sagt Plank. So ist man im Alter zwischen 20 und 35 Jahren in der Regel flexibler, hat weniger finanzielle Verpflichtungen und meist einen niedrigeren Lebensstandard.  Gründungsinteressierte ab 35 Jahren würden zwar über mehr Lebens- und Berufserfahrung verfügen, müssten sich aber häufig um den Erhalt einer Familie oder des Eigentums kümmern. Das würde es zusätzlich erschweren, sich gegen ein sicheres Angestelltenverhältnis zu entscheiden. Zudem könnte man als junger Mensch den Mangel an Lebenserfahrung durch Praktika, Arbeit und Einsatzbereitschaft kompensieren.

Feedback einholen
Um herauszufinden, ob man für die Selbstständigkeit geeignet ist und ob die Idee Potenzial hat, ist der Austausch mit anderen Unternehmern unabdingbar. „Das allerwichtigste ist, offen zu sein und mit anderen über die eigene Idee zu sprechen. Dabei können entscheidende Fragen auftauchen, an die man selbst nicht gedacht hätte. In Europa ist man in diesem Zusammenhang viel vorsichtiger als etwa in Amerika. Durch diese Zurückhaltung geht leider oft wertvolles Feedback verloren.“ Geheimhaltung würde nur dann sinnvoll sein, wenn man eine Patentanmeldung plant, da diese die Nicht-Veröffentlichung der Idee voraussetzt. Für alle anderen gilt: „Je häufiger man über die Geschäftsidee spricht, desto mehr Erkenntnisse kann man gewinnen“, so Plank.  Darüber hinaus sollte man sich gründlich darüber informieren, welche Eigenschaften die Branche erfordert, in der man Fuß fassen möchte. „Die branchenbedingten Erfordernisse sollte man sehr gut bis perfekt beherrschen“, weiß Plank. Was aber unabhängig von der Sparte essenziell ist, ist ein grundsätzliches kaufmännisches Verständnis. „Am Ende des Tages müssen die Zahlen stimmen. Das entsprechende buchhalterische Wissen kann man sich über Weiterbildungen aneignen. Blickt man gar nicht durch, besteht immer noch die Möglichkeit, sich Unterstützung bei externen Ansprechpartnern zu holen“, sagt der Experte.

Überlegungen vor der Gründung
Die eigene Geschäftsidee einem Realitätscheck zu unterziehen, ist im Vorfeld der Gründung wichtig. Weitere Fragen, die in der Planungsphase helfen können, sind laut Plank: „Ist meine Idee überhaupt marktfähig? Was ist das Worst-Case-Szenario und wie gehe ich damit um, wenn es nicht klappt? Bin ich dazu bereit, die Extrameile zu gehen, mich zum Beispiel über normale Arbeitszeiten hinaus dem Unternehmen zu widmen? Und wie schaut die Finanzierung aus?“ Prinzipiell sollte man jedoch nicht versuchen, alles bis ins kleinste Detail zu planen. „Die unternehmerische Selbstständigkeit bringt immer Überraschungen mit sich, auf die man vielleicht nicht vorbereitet ist. Damit aus Angst vor dem Scheitern Ideen nicht nur Gedankenspiele bleiben, lautet mein Rat: „Probieren geht über Studieren.“ Denn wenn es nicht mit der ersten Idee klappt, kann es mit der nächsten klappen. Und am Ende bleibt dann immer noch die Möglichkeit einer fixen Anstellung. 

„Damit aus Angst vor dem Scheitern Ideen nicht nur Gedankenspiele bleiben, lautet mein Rat: ,Probieren geht über Studieren.‘“
Clemens Plank, Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Tirol

 

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Dieser Artikel ist im "Bildung und Karriere in Tirol 2017" erschienen.