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Chancengleichheit fördern
Statistisch gesehen ist nur jede dritte Management-Position in Österreich von einer Frau besetzt. Die Gehalts- und Karriere-Expertin Martina Ernst erklärt im Interview, warum dem so ist, und spricht u. a. über den geschlechterbezogenen Verzerrungseffekt.

Warum sind so wenige Frauen in Führungspositionen?
Martina Ernst: Es gibt mehrere Gründe – zum Beispiel „Leaky Pipeline“ oder auch „Broken Rung“ genannt. Bedeutet, wenn ein Unternehmen nicht aktiv gegensteuert, werden bereits für die erste Managementebene weniger Frauen befördert als Männer. Weiters geht es um unbewusste Vorurteile und Stereotype über die Eignung von Frauen, die für Führungspositionen eine große Rolle spielen. Frauen werden teilweise als weniger durchsetzungsfähig oder weniger kompetent wahrgenommen. Zudem sind Gründe mangelnde Netzwerke oder eine Unternehmenskultur, die immer noch auf männliche Werte abgestimmt ist. Weitere Themen sind auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Selbstvertrauen und Risikobereitschaft. Studien zeigen, dass Frauen oft weniger Selbstvertrauen in ihre Führungsfähigkeiten haben und weniger risikobereit sind als Männer. In einigen Fällen kann auch Diskriminierung entstehen, bei der Frauen aufgrund ihres Geschlechts systematisch benachteiligt werden. Alle genannten Faktoren sind oft miteinander verknüpft und verstärken sich gegenseitig. Es erfordert umfassende Maßnahmen auf individueller, organisatorischer und gesellschaftlicher Ebene, um diese Barrieren abzubauen und Chancengleichheit zu fördern.
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Welche Rolle spielen klassische Rollenbilder?
Ernst: Bereits im Alter von fünf Jahren greift das Phänomen des „Stereotype Threat“: Mädchen glauben dann bereits, dass sie für Mathe und Technik weniger geeignet sind. Sollten sie „wider Erwarten“ in diesen Bereichen gut sein, lauert beim kleinsten Fehler unbewusst die Angst, dem Stereotyp zu entsprechen. Gesellschaftliche Strukturen und Normen diktieren, welcher Rolle Frauen entsprechen sollen. Natürlich beeinflusst das die Wahrnehmung und Behandlung von Frauen im Berufsleben – und natürlich prägen diese traditionellen Bilder auch das weibliche Selbstbild. Es ist daher wichtig, dass so wohl die Gesellschaft als auch die Frauen selbst aktiv daran arbeiten, diese Muster wahrzunehmen, um sie durchbrechen zu können.
Wie kann der Gender Bias, also der geschlechterbezogene Verzerrungseffekt, abgebaut werden?
Ernst: Gender Bias ist tief verwurzelt und muss auf verschiedenen Ebenen angegangen werden. Die Bewusstseinsbildung startet mit der Erziehung der Eltern, ob sie ihre Kinder ermutigen, geschlechtsunabhängige Interessen und Fähigkeiten zu entwickeln, geht weiter mit den Bildungseinrichtungen über politische Signale (Herdprämien sind in diesem Zusammenhang sicher kontraproduktiv) hin zu den Unternehmen. Entlang der gesamten Reise einer/s Mitarbeitenden durchs Unternehmen lauern Bias-Fallen: Idealerweise durchläuft man nicht einmal ein Training, sondern wird durch kleine Anregungen ständig auf die „Gefahren“ aufmerksam gemacht, vor den Recruiting-Gesprächen, vor Beförderungen, bei Gehaltsanpassungen etc. Und natürlich können sich Frauen nicht oft genug gegenseitig ermutigen, ihre eigenen Glaubenssätze zu hinterfragen.

Gesellschaftliche Strukturen und Normen diktieren, welcher Rolle Frauen entsprechen sollen.
Wie stehen Sie zum Thema Frauenquote?
Ernst: Worum geht’s bei der Quote: Frauen machen fast 50 % der Arbeitswelt aus – sind aber in Management-Positionen nur mit circa 35 % repräsentiert. Wenn man sich die seit der Quoteneinführung steigende Präsenz von Frauen im Vorstand und Aufsichtsrat ansieht, dann zeigt die Quote eindeutig Wirkung, um strukturelle Ungleichheiten zu überwinden und Chancengleichheit zu fördern. Die Sorge, dass Frauen mit mangelnden Qualifikationen befördert werden, sollte auf keinen Fall größer sein – im Vergleich zu manchen Beförderungen aus dem „Freunderl“-Kreis. Eines ist sicher, die Quote alleine macht das Leben einer weiblichen Top-Managerin sicher nicht besser.
Wie steht es – aus Ihrer Sicht – um die Selbstdarstellung der Frauen?
Ernst: Unsere Kultur hat viele Jahrzehnte das Bild der bescheidenen, zurückhaltenden Frau, die sich um alle selbstlos kümmert und gerne im Hintergrund bleibt, hochgehalten. Derzeit lassen sich ein paar Trends erkennen, die Frauen zu mehr Sichtbarkeit verhelfen: Auf Social Media beobachten wir, wie Frauen – oft aus Identifikation mit bestimmten Themen wie „MeToo“, „MomGuilt“, „mental load“, „Kind und Karriere“, „impostor syndrome“ etc. – sichtbar werden. Immer mehr Frauennetzwerke entstehen, wo sich Frauen untereinander stärken. Viele Unternehmen ermutigen ihre Mitarbeitenden aktiv, sich Sichtbarkeit zuzutrauen.
Das Wichtigste aus dem Artikel:
Gründe für wenige Frauen in Führungspositionen: Faktoren wie "Leaky Pipeline" und "Broken Rung" führen dazu, dass weniger Frauen befördert werden. Unbewusste Vorurteile, Stereotype, mangelnde Netzwerke und eine männlich geprägte Unternehmenskultur spielen eine Rolle.
Einfluss klassischer Rollenbilder: Bereits im Kindesalter beeinflussen Stereotype die Wahrnehmung von Fähigkeiten in Bereichen wie Mathematik und Technik. Diese Rollenbilder prägen das Selbstbild und die berufliche Behandlung von Frauen.
Abbau von Gender Bias: Erziehung, Bildungseinrichtungen und Unternehmen müssen aktiv gegen geschlechterbezogene Verzerrungen vorgehen. Bewusstseinsbildung und kontinuierliche Sensibilisierung sind entscheidend.
Von Elisabeth Zangerl, erschienen am 10.05.2025 in der Tiroler Tageszeitung
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