„Derzeit fehlt die Kommunikation“

"Gerade wenn Mitarbeiter im Home-Office sitzen, müssen sich Betriebe die Frage nach der Kommunikation erneut stellen", sagt die Psychologin Barbara Hellweger. Und sie weiß, wie diese trotz Krise gelingen kann.

Innsbruck – Keine Kaffeepause mit den Arbeitskollegen, kein kurzes Gespräch mit dem Chef am Gang: Wenn die Mitarbeiter vermehrt im Home-Office sind, wird der Kommunikation oftmals weniger Augenmerk geschenkt, die sonst am Arbeitsplatz so alltäglich ist. Das sei ein Fehler, warnt die Innsbrucker Arbeitspsychologin Barbara Hellweger: „Ein Problem ist momentan sicher die fehlende Kommunikation.“ Dass es für den sozialen Austausch und die Ganzheitlichkeit in Unternehmen nicht förderlich ist, wenn die Menschen separiert sind und es keinen physischen Kontaktgibt, ist offensichtlich.

Deshalb gehe es gerade in Krisenzeiten darum, sicher zustellen, dass trotz alledem jeder einzelne Mitarbeiter ausreichend informiert und im Home-Office nicht vergessen wird. „Wie kommunizieren wir?“, ist sicher eine Frage, die man sich jetzt vor allem in Betrieben erneut stellen muss“, betont die Psychologin. Klar sei, dass die Krisenkommunikation eine hohe Anforderung an Führungskräfte darstelle. Aber eine ganz essentielle Anforderung. Trotz fehlenden Kontakts müsse das Gefühl der Verbundenheit und umso mehr Vertrauen geschaffen werden sowie jedem Einzelnen vermittelt werden, ernst genommen zu werden, sagt Hellweger. Darüber hinaus wird die Kommunikation am Arbeitsplatzvereinzelt schwieriger, da der nonverbale Aspekt gänzlich ausbleibt.

Ein Kopfnicken, Lächeln, aber auch ein Kopfschütteln, Augenrollen oder verschränkte Arme sind Zeichen, die wir beim Sprechen unbewusst und automatisch ergänzen. Das vergessen viele und kann zu Missverständnissen, Konflikten und Demotivation führen.

„Man muss sich bewusst sein, dass dieser nonverbale Teil aktuell in der Regel nicht oder zu wenig stattfindet, wenn man nur virtuell kommuniziert“, erklärt die Psychologin.

Es passiere sehr oft, dass etwa in einer schriftlichen Kommunikation Dinge missverstanden werden. „In einer Videokonferenz, sofern die Kamera eingeschaltet ist, haben die Menschen zumindest noch die Möglichkeit, anders zu kommunizieren, als dies bei einer E-Mail der Fall ist“, untermauert Hellweger. Daher müsse darauf geachtet werden, dass das Gesagte oder Geschriebene auch entsprechend verstanden werde. Um Konflikte und Missverständnisse zu vermeiden, sollte sich generell jeder vor einem Gespräch, einem Telefonat oder einer E-Mail die Frage stellen, was eigentlich kommuniziert werden soll. Im Zweifelsfall „am besten nachfragen, ‚Wie hast du das gemeint?“ oder sagen, „Habe ich das richtig wahrgenommen?“ Seien wir ehrlich, jeder von uns kennt es: Gerade in hektischen Zeiten wird eine E-Mail einem Anruf meist vorgezogen. Einfach, weil es schneller und bequemer funktioniert. Aber: Nicht nur Missverständnisse treten in der virtuellen Kommunikation häufiger auf, sondern auch „die Hemmschwellen sinken“. So schreibt man in einer E-Mail schon einmal etwas, das man einer gegenübersitzenden Person nicht sagen würde. In Stress- und emotionsbeladenen Situationen empfiehlt die Arbeitspsychologin, vor einer Reaktion im Affekt einmal kurz durchzuatmen und sich in die Lage des Gegenübers hineinzuversetzen.

„Es ist eine Ausnahmesituation, nicht der normale Alltag“, vergegenwärtigt sie. Jeder habe eigene Ängste und Sorgen. Besonders jetzt seien achtsame Kommunikation und wertschätzender Dialog wesentlich für die Zusammenarbeit. Und dazu zählt selbst der Umgang mit Fehlern. „Gerade derzeit werden Fehler gemacht, anstatt einen Schuldigen zu suchen, braucht es eine angemessene Fehlerkultur und Lösungsorientierung“, sagt Hellweger. Das gilt es zu kommunizieren. Statt mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, sollten Führungskräfte den Arbeitnehmern die Angst davor nehmen. Dies sei aber immer wichtig, sagt die Psychologin. Ob mit Krise oder ohne.

3 Tipps für die Kommunikation im Job:


1. In Kontakt bleiben: Generell gilt es, aktiv zu kommunizieren. Man sollte den persönlichen Kontakt suchen und einfordern, auch wenn man im Home-Office sitzt, sagt die Psychologin Barbara Hellweger.

2. Nachfragen: In Krisenzeiten sollten sich Arbeitgeber und -nehmer noch mehr Gedanken machen, was sie kommunizieren wollen und wie die Kommunikation beim Empfänger ankommt. Bei Missverständnissen oder Unklarheiten lieber nachfragen.

3. Positive Kommunikationskultur: Man sollte derzeit nicht nur das Negative kommunizieren, empfiehlt die Arbeitspsychologin sondern zuversichtlich und lösungsorientiert: Wir haben vieles erreicht, alle sind wichtig.
Darüber hinaus seien Transparenz, Ehrlichkeit und 
Verständnis unabdinglich.

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Erschienen am 12.12.2020 in der Tiroler Tageszeitung

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