Die Mittagspause ernst nehmen

In der Mittagspause geht es nicht nur ums Essen, sondern vielmehr um Entspannung. Die Klinische Ernährungsberaterin Angelika Kirchmaier gibt Tipps für eine gesunde, erholsame Pause im Home-Office.

Immer noch zu viele Arbeitnehmer vernachlässigen ihre Mittagspause oder essen nebenbei. Als „Sad Desk Lunch“ bezeichnete eine Amerikanerin dieses weltweit verbreitete Phänomen. Also das traurige, rasche Mittagessen, das achtlos vor dem Laptop oder dem Computerbildschirm verspeist wird und lediglich der Nahrungsaufnahme dient. Etwa, eine Tiefkühlpizza oder eine Wurstsemmel parallel zur Arbeit zu essen.

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Aus gesundheitlicher Sicht ist diese Gestaltung der Mittagspause jedoch nicht ideal. „Nebenbei zu essen, ist nie eine gute Idee“, sagt die Klinische Ernährungsmedizinerin und Diätologin Angelika Kirchmaier. Dieses Phänomen kennen wir aber nicht erst seit Covid, sagt Kirchmaier. Wir essen auf der Straße, im Bus oder im Auto. Aber: Nebenbei zu essen, verschlechtere die Verdauungskapazität, erklärt Kirchmaier, und dadurch gebe es auch mehr Unverträglichkeiten. „Man wird schneller dick, weil man einerseits mehr isst, andererseits enthält die Auswahl oft wenig gesundes Essen“, erläutert die Expertin weiters.
 


Man sollte nicht nebenbei essen sondern sich eine richtige Mittagspause gönnen um sich zu erholen.

In der Mittagspause geht es indes nicht nur um die reine Nahrungsaufnahme, sondern vielmehr handelt es sich bei dieser Pause zur Mittagszeit um eine Entspannungsphase. Wer sich mittags nicht erholt, läuft Gefahr, sich zu überlasten. So wie man im Sport eine Pause benötige, um nicht in ein Übertraining zu rutschen, so benötige auch das Gehirn eine Pause, vergleicht die Klinische Ernährungsmedizinerin die Mittagspause mit der Erholung beim Sport.

Aber wie sieht nun eine gesunde und erholsame Mittagspause im Home-Office aus?
Beim Essen sei es wichtig, Gehirn-Energie zu tanken, empfiehlt die Gesundheitswissenschafterin. Damit das Gehirn gut arbeiten könne, benötige es den entsprechenden Sprit. „Diesen findet man nicht in Fleisch, Eiern oder Fisch, sondern ausschließlich in den stärkehaltigen Beilagen, beispielsweise in Kartoffeln, Vollkornnudeln, -reis, -brot, -spätzle, Hirse und allen anderen Getreidesorten“, erläutert Kirchmaier. Gemüse, Salat oder Obst liefern Wirkstoffe und seien damit eine perfekte Ergänzung zur Gehirnenergie.

Weiters rät die Gesundheitsexpertin, sich für die Mittagspause gemütlich zum Esstisch zu setzen und nicht im Stehen zu essen. Dazu gehört es auch, alle Medien auszuschalten. Das heißt: Laptop zuklappen, Handy, Fernseher und Radio ausschalten, um „sich ausschließlich auf das Essen zu konzentrieren“. Das sei für eine optimale Verdauung besonders wichtig, sagt sie. Dazu trinkt man am besten Wasser. Denn: „Wasser spült den gesamten Körper durch und liefert die Energie dort hin, wo wir sie benötigen, in das Gehirn“, weiß Kirchmaier.
 


Medien ausschalten und am Esstisch Platz nehmen, so lautet die Devise.

Powernap oder Sporteinheit:
Nach dem Essen unterstütze ein kleiner Power-Nap von 15 bis 20 Minuten oder eine kurze Sporteinheit die Entspannungsphase. Gerade derzeit im Lockdown könne man etwa ein paar Runden durch die Wohnung laufen, Treppen steigen, um den Häuserblock joggen oder im Wohnzimmer mit einer Springschnur hüpfen. „Bewegung verbessert die Durchblutung und damit auch die Gehirnfunktion“, schildert Kirchmaier.

Zudem solle man nach dem Essen seinen Blähungen freien Lauf lassen. Mindestens 25 Blähungen pro Tag seien normal. Und sie erklärt auch, warum: Im Darm leben rund 2 kg Bakterien, diese vergären die Reste, die wir nicht verdauen. Dabei entstehen Gase, die wir als Blähungen spüren. Wenn wir die Blähung nicht herauslassen, staut sich die Luft wie bei einem zugeschnürten Luftballon zurück. Die Folge: Druck auf den Darm und die inneren Organe, das führe zu Schmerzen, Völlegefühl und Unwohlsein, so Kirchmaier. Zum Schluss rät die Klinische Ernährungsmedizinerin, sich die Zeit für die Mittagspause genauso im Kalender einzutragen wie alle anderen Termine. Die Mittagspause ist nämlich ebenso ernst zu nehmen wie jedes Meeting auch.

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Erschienen am 30.1.2021 in der Tiroler Tageszeitung

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