Die Möglichmacher der Arbeitswelt

Die IT ist wohl die Branche, die sich am rasantesten weiterentwickelt. Welche Ausbildungen und IT Zweige haben besonderes Potenzial? Die TT fragt bei IT-Mitarbeitern und Führungskräften nach.



Experten prognostizieren es: Viele bisherige Berufsbilder verschwinden von der Bildfläche, neue entstehen. Kaum eine Branche ist so dynamisch wie die IT. Josef Weisskopf ist Geschäftsführer der in Hopfgarten und Oberhofen ansässigen Cibex GmbH, er erklärt zu IT-Ausbildungsmöglichkeiten in Tirol: „Ich denke, mit den verschiedenen IT-Fachrichtungen der höheren Schulen und Kollegs wäre das strukturell gewährleistet, die Qualität der Ausbildung lässt aber zu wünschen übrig.“ Ein mangelhaftes Angebot im Ausbildungsbereich – aber eher im geografischen Sinn – ortet auch Philipp Machac von der Landecker myNET GmbH: „Es gibt in Tirol zahlreiche IT-Lehrlingsausbildungsbetriebe. Ein Problem ist, dass quasi nur am Standort Innsbruck eine klassische HTL mit IT-Schwerpunkten vorhanden ist.“


Vermehrt setzen Unternehmen vielleicht auch daher auf Quereinsteiger, wie Marco Willeit von der Innsbrucker IT-Team GmbH bestätigt: „In unserem Unternehmen sind Quereinsteiger herzlich willkommen.“ Eine solche Quereinsteigerin, die im Unternehmen tätig ist, ist Sarah Engele. Sie sieht – anders als ihre Kollegen – in der IT-Branche ausreichend Ausbildungsmöglichkeiten: „Ob über eine klassische Lehre, den zweiten Bildungsweg oder als Quereinsteiger: Es gibt viele Möglichkeiten, sich im Bereich der IT aus- und weiterbilden zu lassen“, und: „Es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten, Fuß zu fassen.“ Sarah Engele würde jeden motivieren, einen Berufswechsel in Angriff zu nehmen.
 

„Das Angebot in der Branche wächst stetig und neue Leute werden immer gebraucht“, sagt sie.
 

Wie jeder andere Bereich ist auch die IT mit Herausforderungen konfrontiert, Engele erklärt: „Die IT lebt durchgehend in einem ständigen Wandel, deswegen muss man sich permanent mit Neuem auseinandersetzen. Das ist gleichermaßen Chance wie auch Herausforderung.“

Eine weitere Herausforderung ist aus Sicht der Arbeitgeber, kompetente Mitarbeiter zu finden. „In der IT gibt es genug Möglichkeiten – die größte Schwierigkeit sehe ich darin, qualifizierte und motivierte Mitarbeiter zu finden, die dem relativ hohen IT-Kollektiv fachlich entsprechen“, meint Josef Weisskopf. Ähnlich sieht das auch Philipp Machac. Die Bezahlung in der IT-Branche sei durchwegs gut, es gebe auch viele Jobs. Allerdings gebe es in der IT-Branche ein breites Feld und in diesem einen Job zu finden, der genau die eigenen Interessen und Fähigkeiten widerspiegele, sei oftmals vor allem im ländlichen Raum nicht so einfach. Die IT-Branche bietet aber auch Möglichkeiten, wie Machac erklärt: „Es besteht die Chance, mit innovativen Produkten von Tirol aus die ganze Welt versorgen und bedienen zu können.“Dass IT-Berufe Berufe mit Zukunft sind, davon sind alle Befragten überzeugt. Josef Weisskopf erklärt: „Alle Branchen benötigen umfangreiche IT-Lösungen.“ Aber welche IT-Bereiche sind denn nun besonders zukunftsträchtig? „Es gibt praktisch keine IT-Bereiche, die aus heutiger Sicht nicht zukunftsfähig sind“, erklärt Machac. Weisskopf wagt sich ein wenig ins Detail: „Auch wenn es scheint, dass die Zukunft allein in der Cloud liegt – monopolistische Konzerne wie Microsoft, Amazon, Google u. a. tun alles dafür –, hoffe ich, dass sich alternative, durchaus auch cloudbasierende Enterprise-Technologien durchsetzen werden.“

Nachgefragt, welche IT-Bereiche „aussterben“, glaubt Sarah Engele: „An Priorität verlieren lokale Systeme, z. B. Web- oder Mailserver oder herkömmliche Telefonsysteme, die neuen Anforderungen nicht mehr entsprechen können.“

Kaum eine Branche erlebte einen derartigen Wandel wie die IT, meint auch Machac. „Die Entwicklung geht immer mehr in Richtung Spezialisierung und damit entstehen auch neue Jobs.“ Aber neben all der Spezialisierung brauche es weiterhin Generalisten, welche die ganzen Spezialisten koordinieren können und deren Sprache für den Kunden übersetzen. Sarah Engele meint: „Aus dem verstaubten PC ist ein digitaler Arbeitsplatz geworden, der, auch bedingt durch die Pandemie, immer und von überall funktionieren muss.“ IT-Techniker seien die Enabler der modernen Arbeitswelt – also die Möglichmacher. „Ohne IT-Technik kein Arbeitsplatz.“
 

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