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„Frage nach Sinn ist oft verlogen“
Jeder sucht Erfüllung im Beruf, nur wenige finden sie. Der Wirtschaftspsychologe Ingo Hamm erläutert den Unsinn bei der Sinnsuche und warum der verordnete Purpose von Unternehmen nicht funktioniert.

Warum suchen viele Menschen den Sinn in der Arbeit und arbeiten nicht nur darum, um die Rechnungen bezahlen zu können und in der Freizeit den Hobbys nachgehen zu können?
Ingo Hamm: Das Arbeiten nur für Geld macht nicht glücklich, erst recht nicht, wenn man dafür Dinge tun muss, die man nicht mag und die einem nicht liegen. In der postmodernen Arbeitswelt sitzen viele Menschen in ihren Büros an einem Arbeitsplatz und wissen nicht, wofür und für wen sie arbeiten. Sie haben keinerlei Kontakt mit Kunden und kennen das Endprodukt nicht. Da kommt schnell die Frage nach dem „Wofür“ auf.
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Müssen wir uns alle wirklich die große Sinnfrage stellen oder erleben wir gerade einen Hype rund um den Sinn?
Hamm: Die Frage nach dem Sinn stellt sich fast jedem im Laufe seines Lebens und das ist vollkommen legitim. Das Problem derzeit orte ich darin, dass die falschen Anwendungen der Begriffe Sinn und Purpose Verwirrung erzeugen. Der Existenzialismus gibt uns für den philosophischen Sinnbegriff rund um die Bedeutung des Lebens eine sehr gute Antwort. Wenn wir als menschliche Existenz unser Sein im Moment des Tuns begreifen, finden wir Erfüllung im Schaffen und haben auch Spaß an der physischen Tätigkeit an sich. Wenn wir bei der Arbeit dieses Gefühl von Werkstolz erleben dürfen, geht es uns gut.
Wenn es beim Sinn um das Tun an sich geht, warum geben sich viele Unternehmen derzeit Purpose?
Hamm: Viele trauen sich nicht mehr, zu ihrem ganz natürlichen ökonomischen Sinn zu stehen, was von Minderwertigkeitskomplexen zeugt. Sie überhöhen sich maßlos und interpretieren einen Weltrettungsanspruch in ihre Ziele hinein. Es ist in einer Marktwirtschaft vollkommen legitim, dass ein Unternehmen mit dem Anspruch, Geld zu verdienen, tätig ist. Die Welt braucht etwa Dixi-Klos und es ist in Ordnung, wenn damit Gewinne erzielt werden. Diese Frage nach einem höheren Sinn ist oft verlogen. Den ökonomischen Sinn müssen wir nicht diskutieren.
Sie halten diesen Unternehmens-Purpose also für einen Marketing-Gag?
Hamm: Unter anderem, ja, denn er fungiert als Köder, den man in den Teich wirft, um Fachkräfte zu gewinnen. Einst war der Tischkicker für Mitarbeiter ein Benefit. Heute geht es nicht mehr um Materielles, daher kommen Sinnversprechungen. Das Problem dabei ist, dass diese Slogans im Arbeitsalltag nicht haltbar sind. Mitarbeiter, die durch Purpose angezogen werden, erkennen schnell, dass es sich um einen ganz normalen Arbeitsplatz handelt und dass dieses Image von der Rettung der Welt nicht aufrechterhalten werden kann. Und das desillusioniert Mitarbeiter erst recht.
Finden derzeit viele Arbeitnehmer keine Erfüllung im Beruf, sodass Arbeitgeber glauben, ihnen diesen Purpose vorgeben zu müssen?
Hamm: Viele Menschen haben einen Beruf, aber arbeiten nicht aus Berufung. Ihnen ist nicht mehr klar, worin ihre Kompetenzen und Neigungen liegen. Sie haben ihre Berufswahl nach der Nachfrage getroffen, wenn es heißt, die Welt braucht Ingenieure oder Informatiker. Andere wiederum konnten ihre Talente zwar beruflich realisieren und sind sehr gut in dem, was sie machen. Wenn sie dann auf der Karriereleiter steil nach oben klettern, verändert sich alles. Anstatt Maschinen zu programmieren, sitzen sie plötzlich in Sitzungen und Schulungen und erleben nicht mehr die Erfüllung in ihrem Tun. Der persönliche Sinn ist verloren gegangen. Es funktioniert nicht, dass der Arbeitgeber ihnen dann erklärt, wofür sie arbeiten.
Ist dann die Folge davon, dass der einzelne Mitarbeiter seinen Job hinterfragt?
Hamm: Ja, denn Sinn ist etwas höchst Individuelles. Das sagte schon Viktor Frankl: „Sinn kann nicht gegeben, sondern muss gefunden werden.“ In diesem Kontext handelt es sich um einen weiteren Sinnbegriff, den psychologischen Sinn. Dazu gibt es im Kontext zur Arbeit viel Forschung mit wertvollen Erkenntnissen. Um die persönliche Erfüllung bei der Arbeit zu finden, wollen Mitarbeiter in ein Team eingebettet sein, mit klaren Strukturen, sie wollen Wertschätzung erfahren, begreifen, was ihre Tätigkeit bewirkt und dass es ein konkretes Ergebnis gibt. Diese Selbstwirksamkeit ist enorm wichtig.
Für junge Berufseinsteiger, die Generation Z, gilt dennoch ein größerer Sinn hinter ihrem Job als wichtiger Aspekt?
Hamm: Dabei handelt es sich um einen weiteren Sinnbegriff, nämlich den moralischen Sinn. Dabei handelt es sich um eine Moral- und Wertediskussion. Tue ich etwas Gutes und etwas moralisch Wichtiges? Gerade in unsicheren Zeiten von Klimawandel, Pandemie, Krieg und Ressourcenproblemen kommen jede Menge Unsicherheiten zutage. Im beruflichen Kontext braucht es dazu aber eine Unternehmenskultur, die diese Reflexion zulässt. Das Hinterfragen sollte erlaubt sein und es muss auch Raum für Widerspruch geben – selbst wenn es weh tut.
Von Beate Troger, erschienen am 15.10.2022 in der Tiroler Tageszeitung
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