Jobportrait: Abenteuer Reporterin

Rund um den Globus sucht und findet Reporterin Barbara Bachmann Geschichten, die im Kleinen das Große erzählen.

Innsbruck - Sie begleitet jenen Mann, der gestrandete Israelis aus der ganzen Welt nach Hause zurückholt sowie nordkoreanische Flüchtlinge, die in einer südkoreanischen TV-Show auftreten. Sie trifft einen Orang-Utan in einem argentinischen Zoo, der von einem Gericht menschliche Rechte zugesprochen bekam und spricht mit einem Osttiroler Schuldirektor, der eine Chance in Flüchtlingskindern sieht. Barbara Bachmann verdient sich ihr Brot als freie Reporterin. Ihre Texte erscheinen in bekannten deutschsprachigen Zeitungen und Magazinen, außerdem hat sie bereits den einen oder anderen Preis dafür gewonnen. "Wie das Schwein hinter dem Trüffel, so bin ich hinter guten Geschichten her", schmunzelt die Südtirolerin.

"Mich mit Themen beschäftigen zu können, die mich persönlich interessieren, empfinde ich als großes Privileg", sagt Bachmann. Ist ihr Interesse für eine Geschichte geweckt, so beginnt die Reporterin damit, anzurecherchieren und Fakten zu sammeln. Sobald die Grundidee für ihre Geschichte steht, verfasst sie ein Exposé, in dem zum Beispiel erläutert wird, wer der Protagonist sein soll und worum es in der Geschichte gehen soll. Dann überlegt sie, welchen Medien sie die neue Geschichte anbieten will und schickt ihr Exposé an diese. Hat sie die Zusage, beginnt die eigentliche Recherche und Arbeit am Text.

"Es kann passieren, dass man vor Ort feststellt, dass eine Geschichte nicht so erzählt werden kann, wie man sich das vorgestellt hat und man muss umdisponieren"

"Meine Geschichten kann ich nicht vom Schreibtisch aus recherchieren. Ich gehe hinaus und begleite die Menschen, über die ich schreibe", erklärt die Reporterin. Manchmal dauern Bachmanns Recherchen, für die sie überall auf der Welt unterwegs ist, Wochen oder sogar Monate. Sie vereinbart Termine, bucht Flüge und Unterkünfte. Gelegentlich, wie in Südkorea, arbeitet sie mit Übersetzern oder, in Venezuela, mit Fixern, die ihr Zugang zu bestimmten Bereichen oder Menschen verschaffen. Daher sei es ein wichtiger Aspekt ihres Jobs, Honorare und die Übernahme der Kosten zu verhandeln. Eine gute Möglichkeit, um aufwendige Recherchen finanziert zu bekommen, sei es auch, sich für Stipendien zu bewerben.

"Als Reporterin müsse man sehr hartnäckig sein, aber nicht aufdringlich", lacht die junge Frau. "Es kann passieren, dass man vor Ort feststellt, dass eine Geschichte nicht so erzählt werden kann, wie man sich das vorgestellt hat und man muss umdisponieren", schildert sie. Außerdem muss man zuerst das Vertrauen der Leute, über die man schreiben will, gewinnen. Eine gründliche und gewissenhafte Recherche sei wichtig, dazu gehöre auch das Gegenchecken der Fakten. Bachmann betont, dass eine gute Geschichte daher Zeit brauche. "Als Reporterin braucht man außerdem sehr viel Einfühlungsvermögen und Taktgefühl", stellt sie klar. "Ich bin dankbar für die teils intimen Einblicke, die mir meine Protagonisten in ihre Lebens- und Gefühlswelt ermöglichen", sagt sie und erwähnt im Zuge dessen als Beispiel eine Recherche, bei der sie über eine Stunde schweigend mit einer Mutter am Grab deren Tochter gesessen habe. Viele Begegnungen berühren sie, sagt die Reporterin. Dennoch müsse sie ihre Geschichten so nüchtern und wertfrei wie möglich erzählen. "Mein Grundsatz lautet: Nähe bei der Recherche, Distanz beim Schreiben", eröffnet Bachmann. "Ich bin niemandes Pressesprecherin", fügt sie hinzu. Sie versuche mit ihren Reportagen immer, das Große im Kleinen zu erzählen, erklärt sie ihre Herangehensweise. "Ich gehe raus und erlebe stellvertretend für den Leser, der sich dann anhand meiner Geschichte selber eine Meinung bilden kann", erläutert die Journalistin.

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Berufsportrait: Reporter


Voraussetzungen: ehrliches Interesse an Menschen, Schreibtalent, Fähigkeit Geschichten zu erzählen, Geduld, Empathie, Flexibilität, Ausdauer, Unerschrockenheit, keine Angst unangenehme Fragen zu stellen
Ausbildung: kein bestimmter Ausbildungsweg. Absolvieren einer Journalistenschule empfohlen, wofür Matura vorausgesetzt wird. Universitätsstudium hilfreich, aber nicht zwingend.

Von Natascha Mair, erschienen am 02.02.2020 in der Tiroler Tageszeitung

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