Jobportrait: Finanzexperte im Private Banking mit Gespür für Chancen und Risiken

Für seine Kunden entwirft Michael Gogl maßgeschneiderte Anlagepläne. Die Suche nach lukrativen Börsentiteln reizt den Private Banker besonders.

Innsbruck - Klischee hin oder her: Der Blick auf den Nikkei am Morgen und den Schlussstand der Wallstreet am Abend, der gehört tatsächlich zur Berufsroutine von Michael Gogl. Nicht so sehr, um daraus hektische Kauf- oder Verkaufaktionen abzuleiten. Eher ist es ein schnelles Abchecken, dass an den Börsen nichts Unerwartetes passiert ist.

Seit über fünfzehn Jahren konzipiert der Private-Banking-Kundenbetreuer der Raiffeisen-Landesbank Tirol Vorschläge für Menschen, die Geld anlegen wollen. Einiges an Geld, ab 250.000 Euro. Interessen und Werte, zeitlicher Horizont, Risikobereitschaft und Veranlagungsziel fließen darin ein. "Es macht einen Unterschied, ob Sie das Geld für den Hausbau in sieben Jahren ansparen oder für die Ausbildung der Patenkinder in zwanzig. Ob Sie nachhaltige Anlageformen bevorzugen, gewisse Branchen oder Länder vermeiden möchten. Ob Sie auch bei höherem Risiko weiter gut schlafen können oder lieber auf kleinere Rendite, dafür mehr Sicherheit setzen."

Der Vielfalt der Kundentypen entsprechend sieht jeder von Michael Gogls Vorschlägen anders aus. Das Ziel sei, dass sich der Investor, die Investorin mit der Entscheidung wohl fühle. "Deshalb verwende ich viel Zeit aufs Erklären der verschiedenen Anlagemöglichkeiten. Erzähle von eigenen Erfahrungen, positiven wie negativen." Der Innsbrucker scheut sich auch nicht, von manchen Anlagen abzuraten. "Ein Finanzprodukt, von dem nicht klar ist, wie es die versprochene Rendite überhaupt erwirtschaften kann, kommt nicht ins Depot."

 "Man muss viele Informationen verarbeiten und einordnen: Wirtschaftsnachrichten, Branchenreportagen, Analysen, Trendberichte."

Aktien, Fonds, Zertifikate und Anleihen sind die hauptsächlichen Anlageklassen in Michael Gogls Vorschlägen. Das Aufspüren von passenden Titeln zählt er zu den spannendsten Herausforderungen seines Berufs. "Man muss viele Informationen verarbeiten und einordnen: Wirtschaftsnachrichten, Branchenreportagen, Analysen, Trendberichte." Dadurch gewinne man ein Bild von der Zukunft eines Unternehmens, eines Marktes, worauf wiederum die Entscheidung für den An- bzw. späteren Verkauf basiere. "Ich gleiche mein Bild auch mit den Kollegen ab, mit denen ich gemeinsam den hauseigenen RLB-Fonds betreue", schildert der zertifizierte Portfolio-Manager. "Gemeinsam erörtern wir das Für und Wider von Vorschlägen und entscheiden dann die entsprechende Positionierung."

Dass Teile der Bevölkerung in kühler Distanz zur Finanzwelt stehen, ist für Michael Gogl nachvollziehbar. "Was bei den Menschen hängen bleibt, sind halt immer die Bad News. Und davon gab es in der Finanzkrise reichlich." Daher sehe man jetzt großteils nur noch die Risiken, nicht aber die Chancen, die die Finanzmärkte bieten, bedauert Gogl, der sich mehr finanzielle Bildung schon in der Schule wünschen würde.

Dann wüssten auch mehr Menschen, was es mit Nikkei, ATX und Dow Jones auf sich hat. Diese Zahlen seien nur eine Momentaufnahme. "Das tägliche Auf und Ab ist zum Anschauen ganz nett. Was bei einer Geldanlage aber wirklich zählt, ist erst die Bilanz unterm Strich nach fünf, zehn, fünfzehn Jahren."

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Berufsportrait: Private-Banking-Kundenbetreuer


Voraussetzungen: Einfühlungsvermögen, gute Kommunikationsfähigkeit, analytisches und mathematisches Denken, wirtschaftliches Detailverständnis, Nervenstärke, hohes Verantwortungsbewusstsein.
Ausbildung: Die Lehre Bankkaufmann, Handelsschule oder Handelsakademie und Fach-/ Hochschulen ermöglichen den Einstieg in Bankberufe. Ins Private Banking gelangt man durch entsprechende Weiterbildungen. Der Lehrgang „zertifizierter Portfolio-Manager“ wird für die Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften vom ÖPWZ (opwz. com) angeboten.

Von Stefan Bradl, erschienen am 19.01.2020 in der Tiroler Tageszeitung

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