Jobportrait: Fleisch zerlegen statt auf der Tastatur tippen

Ob Fleisch, Speck oder Rohwurst: Marina Gandler hat den Metzgerberuf in ihrer Lehre auf Herz und Niere geprüft und ist fasziniert davon.

Oberndorf - "Gib nicht auf, die Kraft wird schon noch kommen", hörte Marina Gandle­r am Beginn ihrer Metzgerlehre vor knapp drei Jahren von ihren Arbeitskollegen. Dadurch stärkten sie die heute 21-jährige Unterländerin und machten ihr Mut durchzuhalten.

Und die Kraft kam: Gandler hat in knapp einem Monat ihr­e Gesellenprüfung und kann sich in Zukunft nichts Schöneres vorstellen, als weiterhin in diesem Beruf als Fleischerin zu arbeiten, sowohl in der Produktion als auch im Verkauf. Vor allem das kraftintensive Zerlegen von Fleisch hat es ihr dabei angetan. Mit Kettenhemd und Schnittschutzhandschuh, als Schutzmaßnahmen, sowie Kopfbedeckung und weißer Arbeitskleidung, aus hygienischen Gründen, zerschneidet die junge Frau vor allem Rind und Jung­tiere im gekühlten Zerlegeraum der Metzgerei Huber.

"Die Arbeit ist gefährlich, aber man muss sich selbst einfach vertrauen und konzentriert arbeiten"

Dort arbeiten Metzger mit scharfen, sehr gut geschliffenen Messern, um das Fleisch sauber in einzelne Teile zerschneiden zu können. Daher ist die Schutzkleidung ein absolutes Muss. Ein Finger sei schnell ab. "Die Arbeit ist gefährlich, aber man muss sich selbst einfach vertrauen und konzentriert arbeiten", sagt die Jochbergerin selbstbewusst. Daneben gilt es in der Fleischbe- und verarbeitung, wie auch in anderen Lebensmittelproduktionen, besonders auf die Hygienebestimmungen Acht zu geben. "Wenn man beispielsweise einen Fehler bei der Lagerung macht oder zu wenig Salz hinzugibt, hat der Endverbraucher ein schlechtes Produkt in Händen", erklärt die baldige Metzgergesellin. Für Gandler sind die Erfahrungen, die sie mittlerweile im Umgang mit Fleisch- und Wurstprodukten gemacht hat, faszinierend. Zum Beispiel, wie unterschiedlich der Geschmack sein kann: Ob hell oder dunkel, das entscheide darüber, ob ein Stück Beiried später zarter oder bissiger schmecke, untermauert die 21-Jährige. An jedem gesprochenen Wort der ehrgeizigen Frau hört man ihre Begeisterung für diesen Beruf heraus.

Jungen Frauen (und Männern) rät Gandler, in einen Betrieb zu gehen, in dem "das Bauchgefühl passt". "Die Harmonie zu den Kollegen und zum Chef muss vorhanden sein, ansonsten kann man nicht 100 Prozent in seine Arbeit stecken", gesteht die Jochbergerin. Und dann schafft man es auch in der - leider noch viel zu männlichen - Fleischerbranche.

Berufsportrait:


Voraussetzungen: gute körperliche Verfassung, handwerkliches Geschick, guter Geruchs- und Geschmackssinn, Kundenorientierung, Teamfähigkeit, Selbständigkeit, Hygienebewusstsein.
Ausbildung: dreijährige Lehre zum Fleischverarbeiter, Berufsschule: Tiroler Fachberufsschule St.Nikolaus in Innsbruck.

Von Nina Zacke, erschienen am 06.10.2019 in der Tiroler Tageszeitung

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