Jobportrait: Kinderkrippenpädagogin - im Auf und Ab der Gefühle

Als Kinderkrippenpädagogin fördert Natascha Andergassen nicht nur die Entwicklung ihrer Schützlinge. Sie gibt den Kindern auch Halt und Orientierung.



Innsbruck – Zwölf kleine Köpfe liegen mit zufriedenen Gesichtern in ihren Betten, als Natascha Andergassen das Licht löscht. Zuvor hat die Kinderkrippenpädagogin ihren ein- bis dreijährigen Schützlingen noch mit vollem Körper- und Stimmeinsatz eine Geschichte vorgelesen. Dann bekam jedes einzelne der zehn Kinder ein La-Le-Lu vorgesungen. „Die meisten Eltern glauben es kaum, dass ihre Kleinen hier so selbstverständlich schlafen gehen“, sagt sie lachend.

Andergassen und ihre Kolleginnen betreuen bis zu zwölf Kleinkinder gleichzeitig. Auf eine Betreuerin kommen jeweils höchstens vier Kinder. „In dem Alter brauchen die Kinder noch sehr viel mehr von uns, als etwa im Kindergarten“, erklärt die ehemalige Tagesmutter. Besonders herausfordernd seien die großen Entwicklungsunterschiede zwischen den Kindern der Gruppe. „Während die Dreijährigen bereits alles selber machen, können die Einjährigen teilweise noch nicht einmal gehen“, sagt sie.

Aus diesem Grund teilen die Pädagoginnen ihre Kleinen in drei Gruppen. Je nach Alter stehen andere Aktivitäten an. Gearbeitet wird nach dem Konzept der Impulsplanung.

„Das heißt, wir geben Impulse vor, mit denen die Kinder dann selbstständig arbeiten“, so die Krippenpädagogin.

Heute kümmert sich Andergassen um die Größeren. Auf dem Kalender steht mathematische Förderung, was die Farben mit einschließt. Sie hat einen Schneemann gebastelt und bunte Körperteile und Knöpfe zum Draufklipsen. Eifrig suchen sich die Kinder Teile aus, benennen sie und befestigen sie auf dem Schneemann. „Alle Impulssetzungen decken mehrere Bereiche ab“, sagt die dreifache Mutter. Hier erkenne sie zum Beispiel auch die feinmotorische Entwicklung der Kinder. Sprachförderung sei sowieso immer mit dabei.

Ein wichtiger Teil des Tagesablaufs sind auch die Mahlzeiten, die gemeinsam mit den Kindern zubereitet werden. Ebenso wird der Tisch zusammen gedeckt und abgeräumt. „Es ist uns wichtig, dass die Kinder so viel wie möglich eigenständig machen“, erklärt Andergassen.

Ein weiteres Ziel sei es, die Kleinen bestmöglich in Kontakt mit der Natur zu bringen. Bei jeder Gelegenheit geht sie mit den Kleinen ins Freie. Das Highlight der Woche sind die Wald- und Stalltage. Sogar ein eigenes Pferd haben die Kinder von der privaten Krippe Nanas. „Ich habe dafür extra Ausbildungen in Natur- und Reitpädagogik absolviert“, sagt Andergassen.

Auch sonst ist die Pädagogin in Sachen Ausbildungen gut aufgestellt: Sie verfügt über Zertifikate in Kinderpsychologie und Entwicklungsdiagnostik, hat Allergenschulungen und Stimmbildungen besucht sowie eine Ausbildung zur Gesundheitspädagogin gemacht. Die wichtigste Qualifikation für ihre Arbeit sei aber Authentizität. „Mein eigenes Handeln muss das vermitteln, was ich den Kindern sage“, so Andergassen.

Kinder sollten mit allen Sinnen verstehen, welche Emotion man ihnen vermitteln wolle. Erst wenn sie Gefühle selber deuten lernen, dann komme auch die Empathie. Die braucht die Pädagogin selbst auch oft. „Kinder in dem Alter erleben ein permanentes Gefühls-Auf-und-Ab“, sagt sie. „Die wissen meist gar nicht, wo ihnen der Kopf steht und benötigen dann viel Verständnis und Zuneigung.“

Berufsportrait


Voraussetzungen: Geduld, Empathie, Authentizität, Fähigkeit zur Selbstreflektion, Feingefühl, Managementtalent, Selbstständigkeit
Ausbildung: zum Beispiel Ausbildung zur Kinderkrippenpädagogin oder zur pädagogischen Fachkraft über „Life und Business“

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Von Natascha Mair, erschienen am 08.01.2022 in der Tiroler Tageszeitung

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