Jobportrait: Millimeterarbeit für den richtigen Biss

Zahntechnikerin Manuela Kapferer hantiert in ihrem Labor mit Hartgips, Metall, Keramik, Schleifgeräten, Poliermaschinen, Öfen und dem PC.

Millimeterarbeit für den richtigen Biss

Innsbruck - Wenn ein Patient einen Zahnersatz benötigt, beginnt der Job von Zahntechnikerin Manuela Kapferer. Sie bekommt vom Zahnarzt einen Abdruck des Patienten, eine Kiefer- oder Gaumenabformung. Anhand dieses Abdrucks fertigt sie ein Modell aus Hartgips an. Zähne aus Kunststoff oder Porzellan werden auf einer Wachsschablone in die richtige Position gestellt.

Kapferer hat die Meisterprüfung abgelegt und arbeitet in ihrem eigenen Labor in Innsbruck mit einer Angestellten, diese hat sie vor mehr als zwei Jahrzehnten selbst zur Zahntechnikerin ausgebildet. Die 60-Jährige genießt es, dass in einem Zweierteam so ein ruhiges, konzentriertes und konfliktfreies Arbeiten möglich ist. In einem großen Team zu arbeiten, war nie ein Wunsch von ihr. Auf die Idee, den Lehrberuf "Zahntechniker" zu erlernen, kam Kapferer durch ihre Verwandtschaft. Ein Großonkel und eine Großtante von ihr waren ebenfalls als Zahntechniker tätig. Zu Dekozwecken steht in Kapferers Labor ein viele Jahrzehnte alter Instrumentenschrank ihrer Verwandtschaft. Kapferer übt ihren Beruf seit mehr als vier Jahrzehnten mit großer Freude aus: "Mit meiner Arbeit kann ich Menschen glücklich machen. Viele Menschen, die einen technischen Zahnersatz brauchen, haben schließlich eine lange Leidensgeschichte hinter sich." Kapferer zeigt auf die Prothese, an der sie gerade arbeitet. "Diese Patientin war sehr unglücklich mit ihrer alten Prothese, die Zähne waren viel zu groß und zu breit für sie." Wenn mit filigranen Ins­trumenten am Zahnersatz gefeilt wird, dann geht es um Bruchteile von Millimetern. Nur so kann die perfekte Passform erreicht werden. Eine perfekte Abstimmung mit dem Zahnarzt ist unverzichtbar, Kapferer hat mit den Patienten zudem gern persönlichen Kontakt.

"Menschliches Geschick und Fingerspitzengefühl kann der Computer aber nie ersetzen"

Sobald das Prothesenmodell auf den richtigen Sitz hin überprüft wurde, stellen Zahntechniker ein Negativmodell aus Gips her. Aus diesem schmelzen sie das Wachs heraus, sodass die Kunstzähne in der Gipsform übrig bleiben. Die entstandene Hohlform füllen sie mit Kunststoffmasse aus. Nach Verfestigung des Materials und Entfernung des Gipses wird die Prothese abschließend geglättet und poliert. Neben Prothesen stellen Zahntechniker auch herausnehmbare Zahnspangen, Kronen, Brücken und implantatgetragenen Zahnersatz her. Zum Handwerk kommt inzwischen immer mehr Technik und Elektronik. Am PC können schnell virtuelle Modelle des Zahnersatzes erstellt werden. "Menschliches Geschick und Fingerspitzengefühl kann der Computer aber nie ersetzen", ist die Zahntechnikerin überzeugt.

Berufsportrait:


Voraussetzungen: Handgeschicklichkeit, Fingerfertigkeit, Tastsinn, gutes Sehvermögen, Unempfindlichkeit der Haut, räumliche Vorstellungsfähigkeit.
Ausbildung: Die Lehrzeit dauert vier Jahre. Berufsschulen für Zahntechniker befinden sich in Wien und in Niederösterreich.

Von Denise Neher, erschienen am 03.11.2019 in der Tiroler Tageszeitung

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