Jobportrait: Orthopädieschuhmacher haben einen Blick fürs Detail

Toni Schuster ist Orthopädieschuhmacher in vierter Generation. Warum der Schuh auch im Kopf passen sollte, erzählt Schuster im Gespräch.

Innsbruck - Der Name ist bei ihm Programm: Orthopädieschuhmachermeister Toni Schuster stellt in vierter Generation handgefertigte Schuhe sowie Einlagen nach Maß her. Darüber hinaus nehmen Orthopädieschuhmacher aber auch Zurichtungen an hochwertigen Konfektionsschuhen vor.

Im Normalfall kommt ein Kunde mit einer ärztlichen Verordnung zu ihm. Das sei nicht zwingend erforderlich, es gehe dabei nur um die spätere Abrechnung mit den Krankenkassen, erklärt er. Dann wird der Fuß fotografiert, vermessen und ein Gipsabdruck gemacht. Im nächsten Schritt fertigt der Orthopädieschuhmacher einen Leisten an, aus Schaum, bei einfachen Modellen aus Holz. Danach wird die Fußbettung mit den jeweiligen orthopädischen Stützen gebaut. Diese gleicht die Deformation bzw. die Funktionsstörung des Fußes aus und hält den Fuß in der korrigierten Form.

"Wenn das Fußbett fertig ist, bekommt der Kunde einen durchsichtigen Kunststoffschuh zur Probe, um zu sehen, wie sich der Schuh für ihn anfühlt, aber auch wie die Ferse sitzt und ob die Zehen ausreichend Platz haben", erklärt der Fußexperte. Im Anschluss daran wird gemeinsam mit dem Kunden das spätere Modell ausgesucht. "Man schaut dann, was möglich, sinnvoll und zweckdienlich ist. Natürlich unter ästhetischen Prämissen", sagt Schuster. Es gebe momentan so viele verschiedene Arten von Leder und Stoffen, was das Bauen von "extrem lässigen Schuhen" ermögliche. Das sei enorm wichtig. Denn: Wer eine Abneigung gegen das Modell hegt, wird sich in dem Schuh nie wohlfühlen. 

"Wenn der Schuh im Kopf passt, passt er auch in den Füßen besser", weiß Schuster aus 40-jähriger Berufserfahrung.

Aber meistens hört der Orthopädieschuhmachermeister, dass der Schuh "eh besser ausschaut als gedacht". Dann weiß Schuster, dass er seinen Job richtig gemacht hat.

Der Tiroler fertigt aber eben nicht nur Maßschuhe, sondern auch Einlagen an. Das nehme zu, sagt er. Meist seien die Bänder sehr schwach, weil die Bewegungsfreudigkeit zurückgehe. Die Bänderschwäche sei die Ursache für die Fehlstellung. Und das ist gerade bei Kindern ein Riesenproblem, weil es oft schleichend gehe und die Betroffenen meist zu spät zu ihm kommen. "Mit Einlagen kann man zwar etwas bewirken, aber nur bis zu einem gewissen Grad, denn das ist nur die halbe Therapie", erläutert der Fachkundige. Unabdingbar sei es, regelmäßig Übungen mit den Füßen zu machen.

Für Schuster gilt: "Jede Kundschaft ist ein Einzelfall. Es gibt Fälle, die stehen nicht im Lehrbuch." Aber gerade das und die vielen Möglichkeiten heutzutage faszinieren ihn an seinem Beruf.

Berufsportrait: Orthopädieschuhmacher


Voraussetzungen: Kommunikationsfähigkeit, Kundenorientierung, Geduld, gutes Augenmaß, Fingerfertigkeit, handwerkliches Geschick, technisches und medizinisches Verständnis, präzise Arbeitsweise.
Ausbildung: Lehre zum Orthopädieschuhmacher, 3,5 Jahre, Tiroler Fachberufsschule für Garten, Raum und Mode in Hall in Tirol.

Von Nina Zacke, erschienen am 16.02.2020 in der Tiroler Tageszeitung

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