Jobwechsel: „Möglichkeiten sehen“

Einen neuen Job suchen oder eine andere Route im Beruf einschlagen? Der Personal-Branding-Architekt Simon Gerber verrät, wie man erkennt,was man wirklich will und wohin die berufliche Reise gehen soll.

Ob Unzufriedenheit, zu wenig Gehalt oder Langeweile: Gründe, den Job zu wechseln, gibt es viele. Woher weiß man, ob es Zeit ist, sich beruflich komplett zu verändern oder doch nur eine andere Route einzuschlagen?

Simon Gerber: In den meisten Fällen geht es darum, herauszufinden, was einem an dem nicht gefällt, was man jetzt tut. Ist es das Setting? Ist es beispielsweise, dass ich jeden Tag in ein Büro fahren muss? Ist es die Firma, ist es die Art, wie ich arbeite, oder sind es meine Aufgaben? Liegt es am Team oder am Chef? Hilfreich ist es, sich eine Liste aufzustellen und so herauszufinden, was ich nicht mehr in meinem Leben möchte. Auf diesem Weg erkennt man recht schnell, was man will. Und sich dann vorzustellen, wie es wäre, wenn man das nicht mehr machen müsste, wenn man das Unangenehme loslassen könnte. In den meisten Fällen entsteht daraus Erleichterung. Wenn etwa die Firma nicht mehr passt, kann man entscheiden, was der nächste Schritt ist. Da braucht es Mut. Die meisten von uns mögen ja keine Veränderungen. Und Veränderungen werden erst dann eingeleitet, wenn der Schmerz möglichst groß ist. Das ist ja bekannt als „innere Kündigung“.

Man hat innerlich eigentlich schon abgeschlossen, aber es fehlt noch genau das bisschen Mut, um in die Veränderung zu gehen. Wie motivieren Sie Menschen, diesen letzten Schritt zu gehen?

Gerber: Da geht es darum, die Möglichkeiten zu sehen. Oft bleiben die Menschen in diesem Hamsterrad gefangen, weil sie darauf angewiesen sind, dass der Lohn jeden Monat kommt oder weil sie Angst vor der Reaktion des Umfelds haben. Jede Veränderung ist unsicher. Es geht also zuerst einmal darum, dass man sich die Perspektiven schafft, was möglich sein könnte. Was entsteht denn überhaupt Besseres, wenn ich das Alte loslasse? Im Gegenzug zur vorherigen Liste sollte man sich aufschreiben, was denn alles Positives entstehen könnte. Das ist ein wichtiger Prozess, eine Vision zu kreieren. Wo will ich denn hin? Wie will ich leben? Dass man sich ein Best-Case-Szenario ausmalt und das motiviert die Menschen. Wenn man diesen Unterschied feststellt, dann ist meist klar, dass die Veränderung eingeleitet werden muss.

Als Online-Business-Mentor und Personal-Branding- Architekt beraten Sie Menschen und entwickeln mit ihnen kreative Business Modelle. Welche Fragen stellen Sie Ihren Kunden, damit diese erkennen, was sie wirklich wollen und wohin ihre berufliche Reise gehen soll?

Gerber: Oft leben Menschen in Berufen, die sie fürs Geld machen. Und dann entsteht dieser goldene Käfig. Dass man lediglich fürs Geld arbeitet und immer dort hinsieht, wo man am meisten verdienen kann mit dem, was man macht. Im Prinzip ist man vom Geld gesteuert, um sich das Einfamilienhaus oder den besseren Wagen leisten zu können. In unserer Gesellschaft ist das leider sehr stark verbreitet. Wenn man das alles erreicht hat, ist das schön und gut, aber die Menschen sind in vielen Fällen trotzdem unglücklich oder nicht erfüllt. Und wir gehen da eine Stufe zurück.

Wofür sind denn die Menschen gekommen, wofür brennen sie? Jeder Mensch hat eine Aufgabe, eine Passion. Je mehr man sich im beruflichen Alltag dieser Aufgabe annähert und daraus wirkt, umso glücklicher ist man am Ende. Das klingt in der Theorie ganz wunderbar. Doch was, wenn ich etwas möchte, mit dem man nur schwer Geld verdienen kann?

Gerber: Ich glaube, dass man mit allem, wofür man brennt, Geld verdienen kann. In den meisten Fällen geht es darum, etwas im Leben von anderen Menschen zu verbessern, etwas schöner zu machen oder etwas zu gestalten. Man sollte sich also fragen, welchen Wert stifte ich mit dem, was mir gefällt? Sei es, Bilder zu malen, mit Tieren zu kommunizieren oder Fahrräder zu reparieren. Oder dass man in seiner persönlichen Geschichte Dinge erlebt hat, die man an andere weitergeben möchte. Zum Beispiel war kürzlich ein Familienvater bei uns, der sagt, wir lösen das Thema Home-Office auf eine so geniale Art und das möchte ich den Menschen jetzt weitergeben. Egal was, man kann mit den skurrilsten Dingen Geld verdienen, wenn man sie von Herzen macht.

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Erschienen am 13.02. in der Tiroler Tageszeitung.

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