Jung, sicherheitsbezogen, loyal

Die nach 1995 Geborenen werden häufig als „Generation Z“ bezeichnet. Sie sind die Neuankömmlinge in der Arbeitswelt. Meinungs- und Jugendkulturforscher Matthias Rohrer erklärt, was sie im Job wollen und brauchen.

Die nach 1995 Geborenen werden häufig als „Generation Z“ bezeichnet. Sie sind die Neuankömmlinge in derArbeitswelt. Meinungs- und Jugendkulturforscher Matthias Rohrer erklärt, was sie im Job wollen und brauchen.Die „Generation Z“ legt besonders viel Wert auf Arbeitsplatzsicherheit und ein gutes Betriebsklima. Foto: iStock/gorodenkoff Matthias Rohrer

Die Geburtsjahrgänge 1995–2009 werden häufig als Generation Z bezeichnet. Wie würden Sie die Jugendlichen und jungen Menschen zwischen 13 und 27 Jahren charakterisieren?

Matthias Rohrer: Wichtig festzuhalten ist, dass es den „Typ Generation Z“ natürlich nicht gibt, eine vollständige Charakterisierung von so einer großen Menschengruppe ist nicht möglich. Ein 15-jähriger Lehrling tickt natürlich anders als ein 27-jähriger Bachelorabsolvent. Aber: Es gibt für die unter 30-Jährigen eine gemeinsame Ausgangslage und das ist in diesem Fall die Zeit der multiplen Krisen, die bereits Mitte der 2000er mit der Finanzkrise begonnen hat. Das prägt Aufwachsende sehr. Diese Krisengeneration ist daher durch ein starkes Sicherheitsbedürfnis gekennzeichnet. Wir beobachten einen starken Pragmatismus, eine große Familienorientierung und generell eine Re-Traditionalisierung.

Die Generation Z steht derzeit vor der Berufsentscheidung und tritt immer mehr ins Arbeitsleben ein. Womit kann diese Altersgruppe für einen Beruf bzw. für ein Unternehmen begeistert werden?

Rohrer: Sie wollen Sicherheit, Stabilität, flache Hierarchien, eine menschliche Führungskraft und ein harmonisches Arbeitsumfeld. Unsere Studien zeigen: Während bei der Vorgängergeneration Y, geboren zwischen 1980 und 1995, Red Bull und Start-ups zu den begehrtesten Arbeitgebern gehören, interessiert sich die Generation Z für die ÖBB und die Voest. Die Generation Y will sich verwirklichen, ist auf der Sinnsuche und kombiniert Arbeit und Freizeit, Stichwort Work-Life-Balance. Die Generation Z ist vorteil-orientiert und will Arbeit und Freizeit strikt trennen, Stichwort Work-Life-Separating.

Wie leistungsbereit ist die Generation Z?

Rohrer: Die Generation Z will nicht die Fehler ihrer Eltern wiederholen: Keine Selbstaufgabe im Job, kein Burnout, das „Sich-Aufreiben“ steht als Form der Arbeit vor dem Aus. Die körperliche und psychische Gesundheit steht bei den unter 30-Jährigen stark im Fokus. Sie sind dann leistungsbereit, wenn es um Vorteile geht.

Was für eine Führungskraft wünscht sich die Generation Z?

Rohrer: Wie gesagt, diese Generation ist vorteil-orientiert. Man muss den jungen Beschäftigten viele Anreize geben. Ich habe ein Unternehmen beraten, das Schichtbetrieb hat. Davon sind viele unter 30-Jährige gar nicht begeistert. Da sie jetzt aber dasselbe Gehalt für eine reduzierte Stundenanzahl kombiniert mit drei bis vier Tagen Freizeit am Stück bekommen, ist es in Ordnung. Es braucht für die Generation Z klar definierte Arbeitszeiten, die eingehalten werden und klar genannte Aufgabengebiete, die Zeit für Familie und Freizeit lassen.

Wie loyal ist die Generation Z dem Arbeitgeber gegenüber?

Rohrer: Sie sind loyaler als Vorgängergenerationen. Dies hat aber weniger mit Emotionalität als mit Pragmatismus zu tun.

Ihrer Einschätzung nach, ist dies eine Generation, die stark ins Gründertum bzw. in die Selbstständigkeit drängt?

Rohrer: Aufgrund ihrer Sicherheitsorientierung eher nicht, die große Zeit der Start-ups dürfte vorbei sein. Das mutige Ausprobieren war eher ein Ding der Generation Y.

Ihrer Einschätzung nach: Wie verträgt sich diese Generation im Arbeitsleben mit älteren Generationen?

Rohrer: Es treffen im Job natürlich verschiedene Arbeitskulturen aufeinander, aber das war ja immer schon so und ist nichts Neues. Wenn ich in Betrieben als Berater unterwegs bin, merke ich, dass die Probleme zwischen den Generationen durchaus lösbar sind.

Von Denise Neher, erschienen am 12.11.2022 in der Tiroler Tageszeitung

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