Killerphrasen geschickt kontern

„Geht nicht!“ – „Echt nicht?“: Karrierecoach Helga Schwarz weiß, wie Arbeitnehmer Killerphrasen in Gehaltsverhandlungen geschickt parieren. Wer gute Argumente mitbringt, ist jedenfalls im Vorteil.

Innsbruck – Ein Gespräch übers Gehalt ist für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oft recht schnell wieder vorbei. Mit Killerphrasenabgefertigt, müssen sie ohne eine erhoffte Lohnerhöhung zurück an ihren Schreibtisch oder in die Werkstatt. Die TT hat mit Helga Schwarz, Karrierecoach in Innsbruck, darüber gesprochen, wie man auf Totschlagargumente des Chefs geschickt kontern kann.

1. „In diesem Jahr geht sich eine Gehaltserhöhung leider nicht aus. Aber nächstes Jahr ganz sicher!“

Das ist eine klassische Killerphrase, die eine Gehaltsverhandlung beendet, bevor sie überhaupt beginnt. Hierbei könnte es sich um eine reine Hinhaltetaktik handeln, meint Helga Schwarz. Im nächsten Jahr folgt dann möglicherweise eine neuerliche Absage aus einem anderen Grund.

Killerphrase kontern: „Dann vereinbaren wir doch gleich einen Termin fürs nächste Jahr, um erneut über eine Gehaltserhöhung zusprechen, und überlegen uns, was Sie sich bis dahin von mir erwarten.“ Schwarz rät, eine Verbindlichkeit zu schaffen und mit der Führungskraft bis zum nächsten Termin Ziele zu vereinbaren, die man bis dahin erreichen möchte, um nochmal über eine Gehaltserhöhung zu verhandeln.

Diese Jobs könnten für Sie interessant sein:

Jobs im Großaum Innsbruck
Neueste offene Stellen in Tirol

2. „Ich würde Ihnen gerne eine Gehaltserhöhung geben, aber leider gibt es das Budget nicht her.“

Das ist der wahrscheinlich meistgehörte Satz bei Gehaltsverhandlungen. Gegenfragen zu stellen, kann, wie bei den meisten Killerphrasen, sehr hilfreich sein: Geht es der Firma wirtschaftlich wirklich schlecht oder handelt es sich nur um eine Ausrede?

Killerphrase kontern: „In motivierte Mitarbeiter zu investieren, ist wohl wirtschaftlich sinnvoller, als das Einlernen neuer Arbeitskräfte in Kauf zu nehmen.“ Mit so einem mutigen Konter stellt man dem Chef die Rute ins Fenster. Vorsicht, erpressen lässt sich kein Chef gern und mit der Kündigung zu drohen, ist ein Tabu! Wenn finanziell gar nichts geht, empfiehlt Schwarz lieber nach Alternativen zu fragen. Es ist ratsam, sich bereits im Vorfeld des Gesprächs Alternativen zur Gehaltserhöhung zu überlegen, wie etwa mehr Urlaubstage, ein Dienstwagen oder Home-Office-Möbel.

3. „Eine Gehaltserhöhung wäre den anderen Kollegen gegenüber unfair.“

Der Kollegenvergleich kann darauf abzielen, ein schlechtes Gewissen zu machen und lenkt vom eigentlichen Thema ab.

Killerphrase kontern: „Ich möchte nicht die Situation anderer beurteilen. Ich kann lediglich über meine Leistungen sprechen.“ Kollegenvergleiche sind gefährlich und kein Trumpf im Gehaltspoker. Das beste Argument ist laut Schwarz immer der Mehrwert, den der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin leistet.

4. „Ihr Gehalt liegt doch schon über dem, was sonst für Ihre Position üblich ist.“

Diese Killerphrase stempelt das Gegenüber als gierig und überheblich ab.

Killerphrase kontern: „Eine Verbesserung meiner Position, also eine Beförderung, wäre dann möglicherweise der nächste Schritt.“ Schwarz rät, sich kein schlechtes Gewissen machen zu lassen. Das Gehalt hat man bei der Einstellung oder bei der letzten Verhandlung bekommen, weil es die Führungskraft für angemessen hielt. Es gibt also keinen Grund, sich dafür rechtfertigen zu müssen.

5. „Ein gutes Arbeitsklima und ein großartiges Team sind doch mehr wert als ein paar hundert Euro mehr, oder?“

Diese Killerphrase ist unlogisch, da sich das Genannte nicht ausschließt.

Killerphrase kontern: „Da bin ich ganz Ihrer Meinung, aber eine gute Entlohnung meiner Leistung ist mir ebenfalls wichtig.“ Ehrgeiz zu zeigen, ist nichts Schlechtes und auch dem Betriebsklima nicht abträglich. Wie bei allen Killerphrasen gilt: Eine Liste von Leistungen ist ein handfestes Argument und kann die Verhandlungsposition deutlich verbessern.

Schwarz macht abschließend darauf aufmerksam, dass es kein Patentrezept für schlagfertiges Argumentieren gibt und es immer auf den einzelnen Charakter und die Situation ankommt.

Diese Blog-Artikel könnten Sie auch interessieren:

Tipps für die Gehaltsverhandlung vom Unternehmenstrainer
Gutes Vertragen - Wichtiges für Ihren Arbeitsvertrag

Auf jobs.tt.com finden Sie die aktuellsten Stelleninserate:
Neueste offene Jobs in Tirol anzeigen

Von Denise Neher, erschienen am 16.10.2021 in der Tiroler Tageszeitung

Job-Blog Mehr Artikel

Mit der Tiroler Tageszeitung und der BeSt³ zum richtigen Job

Die Tiroler Tageszeitung und die Berufs- und Bildungsmesse BeSt³ unterstützen junge Menschen bei der Berufs- und Bildungswahl – unter anderem mit kostenlosen Bewerbungsfotos.

Jung, sicherheitsbezogen, loyal

Die nach 1995 Geborenen werden häufig als „Generation Z“ bezeichnet. Sie sind die Neuankömmlinge in der Arbeitswelt. Meinungs- und Jugendkulturforscher Matthias Rohrer erklärt, was sie im Job wollen und brauchen.

Umwerben statt überwachen

Auch wenn es zunehmend mehr technische Möglichkeiten zur Mitarbeiterüberwachung gibt, werden immer weniger dieser Fälle bekannt. Wer als Arbeitgeber attraktiv sein will, verzichtet auf überschießende Kontrollen.

Job-Blog Mehr Artikel

Mit der Tiroler Tageszeitung und der BeSt³ zum richtigen Job

Die Tiroler Tageszeitung und die Berufs- und Bildungsmesse BeSt³ unterstützen junge Menschen bei der Berufs- und Bildungswahl – unter anderem mit kostenlosen Bewerbungsfotos.

Jung, sicherheitsbezogen, loyal

Die nach 1995 Geborenen werden häufig als „Generation Z“ bezeichnet. Sie sind die Neuankömmlinge in der Arbeitswelt. Meinungs- und Jugendkulturforscher Matthias Rohrer erklärt, was sie im Job wollen und brauchen.

Umwerben statt überwachen

Auch wenn es zunehmend mehr technische Möglichkeiten zur Mitarbeiterüberwachung gibt, werden immer weniger dieser Fälle bekannt. Wer als Arbeitgeber attraktiv sein will, verzichtet auf überschießende Kontrollen.

Job-Bewertungsportale als Chance

Immer mehr Beschäftigte bewerten Arbeitgeber im Netz. Ein wertvolles Feedback sieht darin Recruiting-Spezialistin Claudia Lorber.

Auch der letzte Eindruck zählt

Ein wertschätzender Abschied vom Job lohnt sich, sagt Personalmanager Hans Garstenauer. Sowohl die Beschäftigten als auch das Unternehmen könnten von einem guten Offboarding profitieren.

Die perfekte Selbstpräsentation: So wird's was mit dem Traumjob

Ein Interview mit Personalverantwortlichen kann Bewerber*innen ganz schön ins Schwitzen bringen. Was es dafür zu beachten und vor allem zu vermeiden gilt, verrät uns AK-Bildungsexperte Ernst Haunholter.

Home-Office ist gekommen, um zu bleiben

Das Arbeiten von zu Hause aus bringt viele Vorteile mit sich und ist aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken.