Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

In dieser Folge unseres „Gut zu Wissen“-Podcasts analysiert Unternehmensberaterin Ute Mariacher im Gespräch mit Renate Perktold die durch die Coronakrise veränderten Arbeitsbedingungen .

Die Coronakrise hat die Arbeitsbedingungen vieler verändert. Das bietet Unternehmen neue Chancen, aber auch Herausforderungen. Was kommt da noch auf uns zu? Worauf müssen sich ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen künftig einstellen? Durch die Corona-Krise sind Themen ans Licht gekommen, die schon länger brodelten; jetzt muss man sie jedoch anpacken.

Laut Ute Mariacher geht es in erster Linie darum, MitarbeiterInnen als Menschen auf Augenhöhe wahrzunehmen, sowie ihre Kompetenzen und Leistungen wertzuschätzen. Menschen wollen einen Sinn in ihrer Arbeit sehen, anstatt nur beschäftigt zu werden.

Den Podcast in voller Länge können Sie hier nachhören:

Chancen und Herausforderungen der neuen, hybriden Arbeitsweise

Der Begriff Leistung muss laut Mariacher grundsätzlich neu definiert werden. Leistung wurde in der Vergangenheit mit Zeiterfassung gleichgesetzt; tatsächlich setzt sich Leistung aber aus Faktoren wie Eigenmotivation, Leistungsfähigkeit sowie Leistungsmöglichkeit zusammen.

Leistung ist außerdem höchst individuell und sieht bei jedem Menschen anders aus. Daher darf nicht die Leistungserbringung, sondern nur das Ergebnis relevant sein. Das Ergebnis stellt den Erfolg für das Unternehmen dar, es ist die Antwort auf die ausgesprochene Erwartungshaltung. Führung muss sich also mehr in die Richtung des Erwartungsmanagements entwickeln und muss MitarbeiterInnen mehr Freiraum in der Leistungserbringung lassen.

Natürlich sind nicht alle Arbeiten, Aufgaben, Unternehmen sowie nicht alle MitarbeiterInnen Homeoffice-tauglich. Dabei geht es um Selbstmanagement und -Disziplin, sowie Zeitmanagement, Selbstvertrauen, Selbstmotivation, aber auch Selbstfürsorge, um sich nicht zu überarbeiten. Manche MitarbeiterInnen brauchen die Atmosphäre des Arbeitsplatzes, um produktiv zu sein, andere nicht.

Vorteile von Homeoffice:

• MitarbeiterInnen nutzen Zeit effektiver und sinnbeladener, weil so mehr Freizeit entsteht
• Weniger Krankenstände, Menschen stecken sich nicht gegenseitig an
• Weniger Ablenkung durch KollegInnen
• Kostenreduktion seitens der MitarbeiterInnen (z. B. Spritgeld) sowie der Unternehmer (z. B. Raumkosten)
• Attraktivität des Arbeitgebers

Nachteile von Homeoffice:
• Kein direkter sozialer Austausch
• Mögliche Vereinsamung
• Teamgefühl kann abnehmen
• Overload an virtuellen Meetings
• Ablenkung durch zu wenig Selbstmanagement
• Erfolge sind sichtbarer, wenn man vor Ort ist
• Manche bezeichnen Homeoffice als Karrierekiller

Die Devise sollte daher lauten: Die Dosis macht das Gift – die Mischung macht es aus, sodass die Vorteile für beide Seiten überwiegen.

Man kann manchmal den Eindruck bekommen, Unternehmen würden aufgrund des erwähnten Karrierekillers bzw. der fehlenden Kontrollmöglichkeit zu Hause vor Homeoffice zurückschrecken. Der Spruch „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ sollte in der modernen Arbeitswelt zu „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“ umgedacht werden. Vertrauen in die eigenen MitarbeiterInnen zu haben, ist laut Mariacher eine wesentliche Führungseigenschaft. Somit traut man den MitarbeiterInnen auch etwas zu, und das ist die Basis einer erfolgreichen Führung auf Distanz.

Feedback ist wichtig

Feedback ist ein wichtiger Teil der Vertrauenskultur. Durch Rückmeldungen wird das Selbstwertgefühl und somit auch die Motivation gesteigert. Feedback kann auch aufzeigen, was nicht gut läuft, und wie man das verbessern kann. Wichtig ist, auch positives Feedback und nicht nur negatives zu geben – schon ein kleines „Danke“ kann viel bewirken. Man sollte sich fragen: Unterstützt mein Feedback den Mitarbeiter beim Erreichen des Zieles? Kann diese Person das Feedback auch praktisch anwenden?

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