Meister der Klammen

Schluchtenführer und Schluchtenführerinnen sind Profis am Seil und im Wasser. Im April startet eine neue Runde der harten, aber angesehenen Ausbildung.

Ötztal – Man trifft sie in Schluchten, Gräben und Klammen. Sie seilen sich über Wasserfälle ab, kraxeln, springen und rutschen in Gumpen. Canyoning-Guides – oder Schluchtenführer – sind dafür ausgebildet, Gästen dieses Naturerlebnis zu ermöglichen und sie einem Flusslauf entlang sicher von oben nach unten zu bringen. Jedes Jahr im April entscheidet sich, wer die Schluchtenführerausbildung vom Tiroler Bergsportführerverband antreten darf.

Die Eignungsprüfung

Am Beginn steht eine Eignungsprüfung. Vorausgesetzt wird grundlegende Seiltechnik wie das Abseilen von sich selbst oder einer anderen Person, Klettern im dritten bis vierten Schwierigkeitsgrad mit festen Bergschuhen sowie das Schwimmen in Wildwasser der Kategorie drei. Das kann man sich in etwa so wie die Sanna oder wie den Inn zwischen Imst und Haiming vorstellen. Martin Gstrein, Ausbildungsleiter-Stellverteter, erklärt, worauf geachtet wird: „Wir schauen uns an, ob die Kandidaten mit der Stresssituation im Wasser umgehen können oder in Panik geraten.“ Gefordert wird ein Hechtsprung in die Fluten, das Einnehmen der richtigen Schwimmposition und das Erreichen eines Kehrwassers.

Der Kurs

Ist diese Hürde geschafft, startet die eigentliche Ausbildung. In zwei neuntägigen Kursen im Mai und September sowie einem kürzeren im Juni werden den Teilnehmenden Lehrinhalte zu Seil- und Knotenkunde, Topographie und Geologie, Gewässerkunde, Tourenplanung, Ausrüstungskunde, Erste Hilfe, Umgang mit Notfällen und weitere Bereiche vermittelt. Im Zentrum aber steht die Praxis, wie Gstrein betont: „Den Großteil der Zeit verbringen wir beim Üben der Seiltechniken am Fels oder in der Schlucht.“ Hier kommt ein Punkt zum Tragen, an dem immer wieder Teilnehmer scheitern: die Kondition. „Wer Canyoning-Guide werden will, muss sich bewusst sein, dass es anstrengend wird. Wir gehen oft mit einem schweren Rucksack bis zu 600 Höhenmeter zum Einstieg und sind danach noch mehrere Stunden in der Schlucht“, schildert Gstrein. Das kalte Wasser und die Anspannung würden dabei zusätzlich an einem zehren. Gerade mit dem Wildwasser sollte man beizeiten Freundschaft schließen, darauf werde in der Ausbildung sehr Wert gelegt: „Wir haben zusätzliche Zeit dafür reserviert und holen uns auch externe Experten wie von Swiftwater Rescue hinzu.“ Der finale Kursteil sowie die Abschlussprüfung finden meist im Schweizer Kanton Tessin statt. Aber: „Wer die Seiltechnik bis dort nicht beherrscht, darf gar nicht mit“, erklärt Gstrein. Das werde im Vorfeld überprüft. Über den Sommer heißt es also: ständig dranbleiben. Zu tun gibt es jedenfalls genug, erläutert Gstrein: „Es müssen 14 Praxistage bei einem bereits ausgebildeten Guide absolviert werden, wo der Aspirant bei geführten Touren mitarbeitet. Dazu kommen zehn Touren, die eigenständig geplant, begangen und dokumentiert werden.“


In Tirol gibt es viele fürs Canyoning eingerichtete Touren, wie beispielsweise das Klammenbachl zwischen Tarrenz und Nassereith.

Die Jobaussichten

Für all jene, die sich fragen, ob es sich lohnt, die mit über 4000 Euro Kurskosten doch kostspielige Ausbildung zumachen, hat Michael Amprosi, Berufsgruppenvertreter beim Bergsportführerverband, gute Nachrichten: „Wer eine Fixanstellung sucht, wird schnell fündig werden.“ Gerade in Verbindung mit einer anderen Ausbildung wie als Mountainbike-Guide oder Wanderführerin könne man locker von Mai bis Oktober beschäftigt werden. Außerdem sei die Tiroler Schluchtenführerausbildung in Canyoning-affinen Teilen der Welt jene, die das höchste Ansehen genießt. „Sicherheit ist unser oberstes Gebot, deshalb drücken wir kein Auge zu“, lässt Gstrein wissen.

Für alle weiblichen Interessierten gibt es übrigens erfreuliche Nachrichten: Heuer ist nämlich erstmals eine Frau Teil des Ausbildungsteams.

Das Wichtigste aus dem Artikel: 

Eignungsprüfung: Voraussetzung sind grundlegende Seiltechniken, Klettern im dritten bis vierten Schwierigkeitsgrad, und Schwimmen in Wildwasser der Kategorie drei. Die Prüfung testet den Umgang mit Stresssituationen im Wasser.

Ausbildung: Die Ausbildung umfasst zwei neuntägige Kurse und einen kürzeren Kurs, mit Inhalten wie Seil- und Knotenkunde, Topographie, Geologie, Gewässerkunde, Tourenplanung, Erste Hilfe und Notfallmanagement. Praxis steht im Vordergrund, insbesondere Seiltechniken.

Jobperspektiven: Gute Aussichten auf Festanstellung, besonders in Kombination mit anderen Ausbildungen. Die Tiroler Ausbildung genießt weltweit hohes Ansehen.

Von Nina Schrott, erschienen am 22.03.2025 in der Tiroler Tageszeitung

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