Professionell vernetzt – Tipps für Ihre Onlinepräsenz

Online präsent zu sein gehört zum Alltag. Die eigene Darstellung im Internet betrifft aber nicht nur das Privatleben. Auch was die Karriere angeht, gehört sie mittlerweile zum guten Ton – und kann Fluch wie Segen sein.

Weltweit tummeln sich über 467 Millionen User im Karriere-Netzwerk LinkedIn – mehr als neun Millionen davon im deutschsprachigen Raum. Und auch die in Deutschland gegründete Plattform Xing kann sich sehen lassen. 8,8 Millionen Benutzer aus der Bundesrepublik sind dort angemeldet. Dazu kommen mehr als 800.000 Österreicher. Solche KarriereNetzwerke sind also lange kein rein amerikanisches Phänomen mehr, auch wenn sie ihre Anfänge im Silicon Valley genommen haben. Auch hierzulande gilt: Wer seine Karriere planen oder vorantreiben möchte, sollte auf die Möglichkeiten, die solche „virtuellen Bewerbungsmappen“ bietet, nicht verzichten. 

„Googeln“ ist Standard
„Wer sich für eine Stelle bewirbt, kann davon ausgehen, dass es nicht nur auf die Informationen in der Bewerbung ankommt“, meint Dietmar Kilian. Er lehrt Prozessmanagement und Unternehmensnetzwerke am MCI, leitet das ConsultingUnternehmen PDAgroup und ist Aufsichtsratsmitglied der Lern- und Karriere-Plattform Academy Cube. So hat er Einblick in die vielen Facetten der fortschreitenden Digitalisierung und nicht zuletzt in ihre Auswirkungen auf die Arbeitswelt. „Jede Personalabteilung wird auch die Online-Präsenz von Bewerbern unter die Lupe nehmen. Und dort hat man große Chancen, zu punkten, kann aber auch große Fehler machen.“

 „Man muss sich überlegen, welche Informationen für potenzielle Arbeitgeber relevant sind, und diese möglichst lückenlos und auf den Punkt gebracht präsentieren.“
Dietmar Kilian, MCI-Professor für Prozessmanagement und Unternehmensnetzwerke 

Zweckgebunden
Grundsätzlich gelte es, sich im Klaren darüber zu sein, dass Karriere-Plattformen anders als Facebook und Co. einem spezifischen Zweck dienen. „Man muss sich überlegen, welche Informationen für potenzielle Arbeitgeber relevant sind, und diese möglichst lückenlos und auf den Punkt gebracht zu zeigen“, rät Kilian. „Dabei hat man eine hervorragende Chance, Weiterbildungen und Zusatzausbildungen zu präsentieren, mit denen man sich von Mitbewerbern abheben kann.“ Ist das Profil einmal befüllt, muss es, so wie jede andere Form von Social Media, regelmäßig gepflegt und saubergehalten werden. Da es zweckgebunden ist, nimmt das aber deutlich weniger Zeit als beispielsweise ein Twitter-Account in Anspruch. „In der Regel genügt es, dafür zu sorgen, dass die Informationen monatsaktuell sind“, rät der Experte.

Die richtige Wahl
Neben der Profil-Hygiene zählt auch Deckungsgleichheit. Denn stimmen die Angaben über eine Person auf zwei Plattformen nicht überein, kann das schnell zur roten Flagge werden. „Daher sollte man sich auch nicht wahllos anmelden und keine Accounts verwaisen lassen“, sagt Kilian. „Stattdessen ist es ratsam, die Plattformen, die man braucht, zu nutzen – und das richtig.“ Für welches Netzwerk man sich entscheidet, ist dabei nicht zuletzt branchen- und lokationsabhängig. So ist LinkedIn international und deckt nahezu alle Bereiche ab. Xing wird vor allem im deutschsprachigen Raum und im IT-Bereich genutzt. Und Plattformen wie Researchgate sind für Wissenschaftler maßgeschneidert und bringen nicht nur Menschen zusammen, sondern erfüllen auch Zusatzfunktionen wie aktiven Austausch.

„ Jede Personalabteilung wird auch die Online-Präsenz von Bewerbern unter die Lupe nehmen. Dort hat man  große Chancen, zu punkten, kann aber auch große Fehler machen.“
Dietmar Kilian, MCI-Professor für Prozessmanagement und Unternehmensnetzwerke 

Privatsphäre schützen
Zusätzliche Vorsicht gilt, was „reguläre“ Social-Media-Profile betrifft. Besonders ein Blick auf den Facebook-Account eines Bewerbers ist für die meisten Personalbeauftragten Standard, weiß Kilian. „Dabei geht es vor allem darum zu sehen, wie sich die Person präsentiert.“ Dementsprechend ist auch dort ein professioneller Auftritt enorm wichtig. Egal ob politische Affiliationen, Urlaubsfotos oder Informationen aus dem Privatleben: Alles, was nicht ins Berufsleben gehört, sollte auch auf Facebook nicht öffentlich präsentiert werden. „Was aber nicht bedeutet, dass man dort keine Urlaubsfotos mehr teilen darf. Allerdings sollte man von Filtern und Privatsphäre-Einstellungen Gebrauch machen, damit nur die sie zu Gesicht bekommen, für die sie auch gedacht sind.“

Verweigerung hat keine Zukunft
All das ist mit Aufwand verbunden, der allerdings überschaubar ist. Schon deshalb ist es wenig ratsam, nur weil man Fehler vermeiden möchte, auf die Nutzung von Karriere-Plattformen zu verzichten. „In einer Zeit, in der Digitalisierung DAS Schlagwort ist, würde man damit große Chancen vergeben“, ist sich Kilian sicher. „In keinem Bereich des Arbeitsmarktes hat man einen Nachteil, wenn man Kompetenz im Umgang mit neuen Technologien und Sozialen Medien beweist. Und ein gut gewartetes Profil zeigt nicht nur Kompetenz, sondern auch Initiative und ist eine hervorragende Ergänzung zu einer klassischen Bewerbung.“

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Dieser Artikel ist im "Bildung und Karriere in Tirol 2017" erschienen. 

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