Tiroler Betriebe suchen Fachkräfte

Der Fachkräftemangel in Österreich gilt als größtes Risiko für Unternehmen. Wie der EY-Mittelstandsbarometer zeigt, sind Tiroler Unternehmen dabei am einstellungswilligsten.

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Der Fachkräftemangel bleibt das größte Risiko für österreichische Unternehmen und sorgt für Umsatzeinbußen sowie steigende Rekrutierungskosten. Laut einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY in Österreich betrachten sechs von zehn mittelständischen Unternehmen (62 Prozent) den Mangel an qualifiziertem Personal als größte Wachstumsbremse, ein Drittel hält ihn sogar für sehr gefährlich. Knapp drei Viertel (72 Prozent) der mittelständischen Betriebe haben nach eigenen Angaben Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden – im Vorjahr waren es 71 Prozent.

Dennoch spricht Erich Lehner, Partner und Mittelstandsexperte bei EY Österreich, von einem verhaltenen Optimismus als Devise: „Wenngleich es heuer eine geringe Steigerung gab, liegen die heimischen Mittelständler unter dem Durchschnitt der vergangenen zwölf Jahre (75 Prozent). Der Anteil der Unternehmen, die die Rekrutierung von geeignetem Personal als sehr leicht bezeichnen, ist gegenüber dem Vorjahr von fünf auf aktuell neun Prozent gestiegen.“ Das sei der höchste Wert seit Jahresbeginn 2016. Auch wenn die große Mehrheit immer noch Schwierigkeiten habe, geeignetes Fachpersonal zu finden, zeige sich ein Aufwärtstrend, der sich in positiven Beschäftigungssignalen niederschlägt.

Hohe Rekrutierungskosten

Vom Fachkräftemangel ist die Industrie besonders betroffen, wo 85 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung haben. Ein Viertel der Betriebe plant zwar Stellenaufbau, doch die Beschäftigungsdynamik bleibt mit einem prognostizierten Wachstum von nur 0,4 Prozent verhalten.


Jedes zehnte Unternehmen setzt KI ein, um die Auswirkungen des Fachkräftemangels abzumildern. Die große Mehrheit (70 Prozent) sieht darin aber keine Möglichkeit, Fachkräfte zu ersetzen.
 

Tirol hebt sich in diesem Zusammenhang positiv hervor und die Betriebe suchen besonders häufig Fachkräfte im Österreichvergleich. Hier planen vier von zehn Unternehmen, ihre Belegschaft auszubauen – das ist der höchste Wert österreichweit. Gleichzeitig sind die Such- und Rekrutierungskosten in Tirol mit durchschnittlich 54 Prozent am stärksten gestiegen. Als wichtigsten Grund für den Fachkräftemangel in österreichischen Unternehmen machen die befragten Betriebe die mangelnde Bereitschaft unter BewerberInnen bzw. Arbeitskräften aus, in Vollzeit zu arbeiten (46 Prozent, Vorjahr: 61 Prozent), oder eine unzureichende Ausbildung und Qualifikation der BewerberInnen (37 Prozent). Der Mittelstand setze auf die Intensivierung der Aus- und Weiterbildung des bestehenden Personals, die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und das Angebot von attraktiven Zusatzleistungen und Benefits.

Erschienen am 07.02.2026 in der Tiroler Tageszeitung

Hohe Vakanzen 

Wo es fehlt: Bei der Hälfte der 500 von EY befragten Unternehmen sind derzeit Stellen unbesetzt. Besonders akut ist Fachkräftemangel derzeit in der Industrie (85 Prozent), bei Immobilien und Baugewerbe (71 Prozent), gefolgt von Finanz- und anderen Dienstleistern (54 Prozent). Kleinere Unternehmen tun sich sehr schwer (41 Prozent) oder schwer (38 Prozent).

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