Viel Lernbedarf bei KI-Nutzung

Immer mehr Unternehmen übertragen Künstlicher Intelligenz weitreichende Entscheidungen wie Massenentlassungen oder Werkschließungen. Eine Forscherin warnt davor, die Kontrolle aufzugeben.

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Wie viel Verantwortung können und wollen wir an Künstliche Intelligenz (KI) abgeben? Eine zentrale Frage, mit der sich Sabrina Schneider, Leiterin der Forschungsgruppe Digital Business Transformation an der Fachhochschule (FH) Vorarlberg, in ihrer Arbeit beschäftigt. Die Forscherin ortet noch viel Lernbedarf in Wirtschaft und Gesellschaft in Sachen KI Kompetenz: „Wir müssen lernen, wann wir Verantwortung abgeben – und wann wir sie bewusst behalten.“ Bei Entscheidungen greifen Unternehmen mittlerweile vermehrt auf den Einsatz von KI zurück. Das betreffe auch Bereiche, die direkte Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben. Schneider hat gemeinsam mit Elena Freisinger von der Ilmenau University of Technology in einer im „European Management Journal“ Ende 2025 veröffentlichten Studie untersucht, wie Menschen mit KI-Beschlüssen in Fällen mit erheblichen moralischen und sozialen Konsequenzen umgehen. Etwa bei Massenentlassungen und Werksschließungen.

Denn gerade die Perspektive der Betroffenen fand bisher in der Forschung wenig Beachtung. Schneider konnte in Experimenten nachweisen, dass etwa 58,5 Prozent der Studienteilnehmer, die mit der Aufgabe betraut wurden, als Zuständige darüber zu entscheiden, welche Mitarbeitenden bei einer Standortschließung gekündigt würden, bereit waren, die Aufgabe an die KI zu übertragen. Studienteilnehmer, die diese Entscheidung im Namen eines erkrankten Kollegen treffen mussten, waren weitaus weniger bereit (49,3 Prozent), diese Aufgabe der KI anzuvertrauen. Die Teilnehmenden bewerteten die KI in ergänzenden Interviews als fair. Sie wurde als Entlastung für menschliche Führungskräfte gesehen und als besser geeignet, große Datenmengen zu analysieren. Doch es gibt auch große Vorbehalte gegen die Rolle von Künstlicher Intelligenz: 56 Prozent lehnten in den Interviews die von KI getroffenen Entscheidungen als „herzlos“ ab. Ein verantwortungsvoller KI Einsatz brauche also mehr als technische Kompetenz, es stellten sich auch Fragen nach Verantwortung, Transparenz und sozialer Wirkung.


Künstliche Intelligenz (KI) trifft immer häufiger Entscheidungen, die früher ausschließlich Menschen vorbehalten waren. Sie verändert nicht nur Arbeitsprozesse, sondern auch unser Verständnis von Verantwortung.
 

Es braucht mehr Verständnis

Die KI sei keine neutrale Helferin, sondern eine Akteurin, die unsere Arbeitswelt verändere. Unternehmen empfahl sie eine bewusste Auseinandersetzung und klare Standards. Zu verstehen, wie KI funktioniere, lerne und wo ihre Grenzen liegen, sei essenziell. So brauche es weiterhin kritisches Mitdenken, Hinterfragen und Reflexion. „Wir brauchen Wissen und Verständnis, um in Kontrolle zu bleiben.“

Erschienen am 21.02.2026 in der Tiroler Tageszeitung

Das Wichtigste aus dem Artikel: 

Herausforderungen für Unternehmen und Gesellschaft: Der verantwortungsvolle Einsatz von KI erfordert nicht nur technische Kompetenz, sondern auch ein Bewusstsein für soziale und moralische Auswirkungen. Transparenz, Verantwortung und Reflexion sind essenziell.

Bewusster Umgang mit KIKI ist kein neutraler Helfer, sondern ein Akteur, der die Arbeitswelt verändert. Unternehmen sollten klare Standards setzen und die Grenzen der Technologie verstehen, um Kontrolle und kritisches Mitdenken zu gewährleisten.

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