Wirtschaften für den sozialen Wandel

Soziale und ökologische Verantwortung sind gerade modern in der Unternehmenswelt. Auch in Tirol reagieren Start-ups innovativ.

Wirtschaften für den sozialen Wandel

Innsbruck - "Social Entrepreneurship liegt im Trend", ist Jana Ganzmann, Mitgründerin von SETup, einem 2018 gegründeten Unternehmen, das es sich zum Ziel gesetzt hat, andere Unternehmen zu unterstützen, die Lösungen für soziale oder ökologische Probleme anbieten wollen, von ihrer eigenen Unternehmensidee überzeugt. Mit SET up wollen Ganzmann und ihre Kollegen die nötige Expertise bereitstellen, die Neo-Social Entrepreneurs benötigen, um ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Außerdem unterstützen sie auch bestehende Unternehmen dabei, sozialen Mehrwert zu schaffen und vernetzen Interessierte. Den Trend bestätigen kann auch Marlene Hopfgartner von der Wirtschaftskammer Tirol. "Meiner persönlichen Einschätzung nach ist tatsächlich wahrnehmbar, dass viele neue Gründer von sozialen Ideen angetrieben werden", sagt sie. Beispiele für Tiroler Unternehmen mit gesellschaftlichem Mehrwert sind etwa der Zero Waste Store Greenroot in Innsbruck oder Monkee, ein Tiroler Start-up, das zeigt, wie Sparen im Zeitalter der Digitalisierung aussehen kann.

Oder auch das Innsbrucker Café Namsa. "Während meines ehrenamtlichen Engagements im Flüchtlingsheim habe ich bei mehreren Familien miterlebt, wie schwierig sich die Arbeitssuche nach dem positiven Asylbescheid gestaltet.

Man ist Österreichern am Arbeitsmarkt gleichgestellt, hat allerdings aufgrund eingeschränkter Sprachkenntnisse sowie fehlender Referenzen große Hürden zu überwinden", erzählt Michaela Wohlfahrt, Gründerin des Sozialunternehmens. Aus den erwähnten Erfahrungen entstand die Idee, Geflüchteten mit Arbeitserlaubnis die Chance zu bieten, ihre Stärken in einem ersten Job einzubringen.

"Zwei Jahre nach Gründung zu sehen, dass das Konzept aufgeht und unsere Mitarbeiter nach ihrer Zeit im Café Namsa fixe Arbeitsstellen mit langfristigen Perspektiven finden, freut mich sehr und macht mich stolz", betont sie.

Der Begriff Social Entrepreneurship oder Sozialunternehmertum bezieht sich auf Unternehmungen, die neue Lösungen für gesellschaftliche Probleme entwickeln. Im Unterschied zu klassischen Non-Profit-Unternehmen, wieder Caritas oder dem SOS-Kinderdorf, sind diese allerdings marktwirtschaftlich orientiert. "Gerade am Anfang kann es sein, dass Social Entrepreneurs einen Teil ihrer Finanzierung aus öffentlichen Geldern, Stiftungen oder von Impact-Investoren erhalten. Langfristiges Ziel ist es aber, sich selbst zu finanzieren", erklärt Ganzmann. Anders als von der öffentlichen Hand finanzierte, nicht profitorientierte Sozialunternehmen können unabhängige,marktwirtschaftlich denkende Start-ups schneller und innovativer auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren, ist die Gründerin überzeugt. Social Entrepreneurship sei somit Teil des Start-up-Trends, der Unterschied liege aber in der Motivation. "Social Entrepreneurs führen ein Unternehmen, das sich in allererster Linie dem gesellschaftlichen Nutzen verschreibt. Einnahmen und Gewinne dienen als Mittel zum Zweck", stellt sie klar.

Ein Problem, das es Social Entrepreneurs in Österreich erschwere, sei das Finden der geeigneten Rechtsform, betont Ganzmann. Während es zum Beispiel in England oder den Niederlanden eigene, besser auf die Ansprüche von Social Entrepreneurs reagierende Rechtsformen gebe, müsse man hierzulande zwischen Verein und gemeinnütziger GmbH wählen. "Als Verein ist es schwierig, gewerblich tätig zu sein, ohne seinen gemeinnützigen Status zu verlieren. Für die Gründung einer gemeinnützigen GmbH benötigt man wiederum ein Stammkapital von 35.000 Euro", erklärt sie. Der gemeinnützige Status sei deshalb wichtig, weil man dadurch steuerrechtliche Vorteile habe, ergänzt sie. Eine andere Rechtsform, die sich bei Social Entrepreneurs wieder zunehmender Beliebtheit erfreue, sei die der Genossenschaft. "Die Idee, alle am Unternehmen Beteiligten auch am Gewinn zu beteiligen, ist wieder stark im Kommen."

Von Natascha Mair, erschienen am 08.02.2020 in der Tiroler Tageszeitung

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